6.7.1.3 Identitätspreisverfahren 2313 Dieses Verfahren gewährleistet, dass dem einzelnen Wirtschaftsgut der konkrete Anschaffungspreis ggf. unter Berücksichtigung von Nebenkosten und Preisminderungen zugerechnet werden kann. Damit entspricht dieses Verfahren sowohl dem Grundsatz der Einzelbewertung als auch dem Realisationsprinzip. In der Praxis kann diese Bewertung nur umgesetzt werden, wenn entsprechende begleitende Maßnahmen die Identifikation des Wirtschaftsguts und die Preiszuordnung unterstützen. 2314 Das Identitätspreisverfahren ist immer dann einzusetzen, wenn es betrieblich zweckmäßig erscheint. Beispiel: Von einer bestimmten Vorratsposition wurden folgende Daten aufgezeichnet: Anfangsbestand 90 Stück à 400 S Zugänge: 1. Zukauf am 28.1.2000 400 Stück à 390 S 2. Zukauf am 15.4.2000 200 Stück à 405 S 3. Zukauf am 7.7.2000 350 Stück à 395 S 4. Zukauf am 20.9.2000 150 Stück à 410 S 5. Zukauf am 6.12.2000 100 Stück à 415 S Abgänge laut Entnahmescheine: 27.1.2000 vom Anfangsbestand 60 Stück 5.3.2000 vom Anfangsbestand 30 Stück 5.3.2000 vom 1. Zukauf 350 Stück 22.6.2000 vom 2. Zukauf 180 Stück 7.9.2000 vom 3. Zukauf 320 Stück 20.11.2000 vom 4. Zukauf 135 Stück Endbestand laut Inventur: vom 1. Zukauf 50 Stück vom 2. Zukauf 20 Stück vom 3. Zukauf 30 Stück vom 4. Zukauf 15 Stück vom 5. Zukauf 95 Stück 5 Stück Schwund Der Verbrauch ergibt sich wie folgt: Abgang am 27.1.2000 60 Stück à 400 S 24.000 S Abgang am 5.3.2000 30 Stück à 400 S 12.000 S Abgang am 5.3.2000 350 Stück à 390 S 136.500 S Abgang am 22.6.2000 180 Stück à 405 S 72.900 S Abgang am 7.9.2000 320 Stück à 395 S 126.400 S Abgang am 20.11.2000 135 Stück à 410 S 55.350 S Verbrauch 1.075 Stück 427.150 S Der Endbestand wird folgendermaßen ermittelt: Endbestand vom 1. Zukauf 50 Stück à 390 S 19.500 S Endbestand vom 2. Zukauf 20 Stück à 405 S 8.100 S Endbestand vom 3. Zukauf 30 Stück à 395 S 11.850 S Endbestand vom 4. Zukauf 15 Stück à 410 S 6.150 S Endbestand vom 5. Zukauf 95 Stück à 415 S 39.425 S Endbestand 210 Stück 85.025 S Schwund vom 5. Zukauf 5 Stück à 415 S 2.075 S Ist hinsichtlich der Abfassungen das konkrete Wirtschaftsgut, bzw. die Reihenfolge und die Menge der einzelnen Positionen nicht detailliert feststellbar, sind andere Bewertungsverfahren anzuwenden. Für eine Teilwertabschreibung sind die Anschaffungskosten des einzelnen Wirtschaftsguts mit dem jeweiligen Teilwert zu vergleichen. 6.7.1.4 Durchschnittspreisverfahren 6.7.1.4.1 Gewogenes Durchschnittspreisverfahren2315 Gleichartige Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens können zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Die Bewertung erfolgt mit dem gewogenen Durchschnittspreis. Dieser wird dadurch ermittelt, dass für die einzelne Gruppe von Wirtschaftsgütern aus dem Anfangswert zu Beginn des Wirtschaftsjahres und den Anschaffungswerten der Zugänge im Wirtschaftsjahr der Gesamtwert der Position errechnet wird. Geteilt durch die Anzahl der einzelnen Wirtschaftsgüter dieser Gruppe aus dem Anfangsbestand und dem Zukauf ergibt sich der gewogene Durchschnittspreis. Mit diesem werden die Wirtschaftgüter dieser Gruppe, die laut Inventur als Endbestand vorhanden sind, bewertet. Liegt der Teilwert niedriger, sind die Voraussetzungen für eine Abschreibung gegeben. Beispiel: Von einer bestimmten Vorratsposition wurden folgende Daten aufgezeichnet: Anfangsbestand 90 Stück à 400 S Zugänge: Zukauf am 28.1.2000 400 Stück à 390 S Zukauf am 15.4.2000 200 Stück à 405 S Zukauf am 7.7.2000 350 Stück à 395 S Zukauf am 20.9.2000 150 Stück à 410 S Zukauf am 6.12.2000 100 Stück à 415 S Endbestand laut Inventur: 210 Stück Daraus wird der Endbestand wie folgt abgeleitet: Menge Preis Wert Anfangsbestand 90 Stück à 400 S 36.000 S Zukauf am 28.1.2000 400 Stück à 390 S 156.000 S Zukauf am 15.4.2000 200 Stück à 405 S 81.000 S Zukauf am 7.7.2000 350 Stück à 395 S 138.250 S Zukauf am 20.9.2000 150 Stück à 410 S 61.500 S Zukauf am 6.12.2000 100 Stück à 415 S 41.500 S 1.290 Stück 514.250 S Gewogener Durchschnittspreis: 514.250 S / 1290 Stück = 398,64 S Endbestand: 210 Stück x 398,64 S = 83.714,40 S 6.7.1.4.2 Gleitendes Durchschnittspreisverfahren2316 Eine besondere Form des gewogenen Durchschnittspreisverfahrens ist das gleitende Durchschnittspreisverfahren. Gleichartige Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens werden als Gruppe bewertet, wobei der Durchschnittspreis nach jedem Zukauf neu ermittelt wird. Die Lagerabgänge werden bis zum nächsten Zukauf mit diesem Durchschnittspreis angesetzt. Eine Lagerbuchführung, die sowohl eine mengenmäßige wie auch wertmäßige Erfassung zulässt, ist dafür Voraussetzung. 2317 Der zuletzt ermittelte Durchschnittspreis wird der Bewertung des Endbestandes zu Grunde gelegt. Liegt der Teilwert niedriger, sind die Voraussetzungen für eine Abschreibung gegeben. Beispiel: Von einer bestimmten Vorratsposition wurden folgende Daten aufgezeichnet: Anfangsbestand 90 Stück à 400 S Zugänge: Zukauf 28.1.2000 400 Stück à 390 S Zukauf 15.4.2000 200 Stück à 405 S Zukauf 7.7.2000 350 Stück à 395 S Zukauf 20.9.2000 150 Stück à 410 S Zukauf 6.12.2000 100 Stück à 415 S Abgänge laut Entnahmescheine: 27.1.2000 60 Stück 5.3.2000 380 Stück 22.6.2000 180 Stück 7.9.2000 320 Stück 20.11.2000 135 Stück Endbestand laut Inventur: 210 Stück Menge Preis Wert Verbrauch Anfangsbestand 90 Stück à 400,00 S 36.000,00 S Abgang 27.1.2000 60 Stück à 400,00 S 24.000,00 S 24.000,00 S 30 Stück à 400,00 S 12.000,00 S Zukauf 28.1.2000 400 Stück à 390,00 S 156.000,00 S 430 Stück à 390,70 S 168.000,00 S Abgang 5.3.2000 380 Stück à 390,70 S 148.466,00 S 148.466,00 S 50 Stück à 390,70 S 19.534,00 S Zukauf 15.4.2000 200 Stück à 405,00 S 81.000,00 S 250 Stück à 402,14 S 100.534,00 S Abgang 2.6.2000 180 Stück à 402,14 S 72.385,20 S 72.385,20 S 70 Stück à 402,14 S 18.148,80 S Zukauf 7.7.2000 350 Stück à 395,00 S 138.250,00 S 420 Stück à 396,19 S 166.398,80 S Abgang 7.9.2000 320 Stück à 396,19 S 126.780,80 S 126.780,80 S 100 Stück à 396,19 S 39.618,00 S Zukauf 20.9.2000 150 Stück à 410,00 S 61.500,00 S 250 Stück à 404,47 S 101.118,00 S Abgang 20.11.2000 135 Stück à 404,47 S 54.603,45 S 54.603,45 S 115 Stück à 404,47 S 46.514,55 S Zukauf 6.12.2000 100 Stück à 415,00 S 41.500,00 S SOLL - Endbestand 215 Stück à 409,37 S 88.014,55 S IST - Endbestand 210 Stück à 409,37 S 85.967,70 S Schwund 5 Stück à 409,37 S 2.046,85 S 6.7.1.5 Verbrauchsabfolgeverfahren 6.7.1.5.1 FIFO-Bewertung2318 Eine weitere Möglichkeit der Bewertung darf nach einer typisierten Reihenfolge der Lagerabfassungen erfolgen. Die tatsächliche Verbrauchsabfolge darf dieser Annahme nicht entgegenstehen. Werden die zuerst angeschafften Vorräte als erste wieder verbraucht bzw. verkauft ("first in - first out"), kann der Endbestand laut Inventur auf Grund der letzten Zukäufe bewertet werden. 2319 Liegt der Teilwert niedriger als der durch die FIFO-Bewertung ermittelte, sind die Voraussetzungen für eine Abschreibung gegeben. Beispiel: Von einer bestimmten Vorratsposition wurden folgende Daten aufgezeichnet: Zugänge: vorletzter Zukauf am 20.9.2000 150 Stück à 410 S letzter Zukauf am 6.12.2000 100 Stück à 415 S Endbestand laut Inventur: 210 Stück Menge Preis Wert Restbestand Zukauf am 20.9.2000 110 Stück à 410 S 45.100 S Zukauf am 6.12.2000 100 Stück à 415 S 41.500 S Endbestand 210 Stück 86.600 S Betragen die Wiederbeschaffungskosten weniger als 410 S, ist der gesamte Endbestand im entsprechenden Umfang einer Teilwertabschreibung zugänglich. Liegt der Teilwert zwischen 410 S und 415 S, ist die Teilwertabschreibung auf den Bestand aus dem Zukauf vom 6.12.2000 beschränkt. 6.7.1.5.2 LIFO-Bewertung2320 Das LIFO-Verfahren ("last in - first out") unterstellt, dass die zuletzt eingekauften Bestände als erste wieder verbraucht bzw. verkauft werden. Diese Bewertungsmethode darf nur ausnahmsweise angewendet werden, wenn die tatsächliche Verbrauchsabfolge durch die Art der Lagerhaltung dieser Annahme am ehesten entspricht (zB Lagerhaltung eines Kohlenhändlers). Dies ist durch den Steuerpflichtigen glaubhaft zu machen. Die Bewertung des Endbestandes geht von den Werten des Anfangsbestandes aus. Bei zunehmenden Beständen werden die Erhöhungen mit den Anschaffungskosten der ersten Zukäufe des Wirtschaftsjahres bewertet. 2321 Eine Teilwertabschreibung auf Grund von Preisveränderungen wird nur in Ausnahmefällen in Frage kommen. Beispiel: Von einer bestimmten Vorratsposition wurden folgende Daten aufgezeichnet: Anfangsbestand: 90 Stück à 400 S Zugänge: Zukauf 28.1.2000 400 Stück à 390 S Endbestand laut Inventur: 210 Stück Menge Preis Wert gesamter Anfangsbestand 90 Stück à 400 S 36.000 S vom Zukauf 28.1.2000 120 Stück à 390 S 46.800 S Endbestand 210 Stück 82.800 S Betragen die Wiederbeschaffungskosten weniger als 390 S, ist der gesamte Endbestand im entsprechenden Umfang einer Teilwertabschreibung zugänglich. Liegt der Teilwert zwischen 390 S und 400 S, ist die Teilwertabschreibung auf den Anfangsbestand beschränkt. 6.7.1.5.3 HIFO-Bewertung2322 Das HIFO-Verfahren ("highest in - first out") unterstellt eine Verbrauchsabfolge, die sich am Wert des Einkaufs orientiert. Da dies keiner realistischen Verbrauchsabfolge entspricht, ist die steuerliche Bewertung nach dieser Methode nicht zulässig. 2323 Das Gegenstück des HIFO-Verfahrens ist das LOFO-Verfahren ("lowest in - first out"). Dieses kommt ua. aus den oben genannten Gründen für die Bewertung ebenfalls nicht in Betracht. 6.7.1.6 Festwert 2324 Werden Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe regelmäßig ersetzt und ist der Gesamtwert von untergeordneter Bedeutung, darf der Bilanzansatz mit einem gleich bleibenden Wert erfolgen. Als weitere Voraussetzung dürfen voraussichtlich nur geringe Veränderungen hinsichtlich Umfang, Wert und Zusammensetzung eintreten. Dieser Festwert ist zumindest alle fünf Jahre durch eine Bestandsaufnahme zu überprüfen und ggf. entsprechend anzupassen. Zwischenzeitig sind die Einkäufe in vollem Umfang als Aufwand zu erfassen. Der Festwert ist mit den Anschaffungskosten anzusetzen.
