RIS-Daten auf einen Blick

Gericht
Oberster Gerichtshof
Geschäftszahl
7Ob88/26f
Entscheidungsdatum
2026-08-18
Dokumenttyp
Entscheidungstext
ECLI
ECLI:AT:OGH0002:2026:0070OB00088.26F.0818.000
Dokumentnummer
JJT_20260818_OGH0002_0070OB00088_26F0000_000

Sachverhalt

Zwischen der klagenden Versichererin und dem beklagten Versicherungsnehmer bestand eine Eigenheimversicherung einschließlich Sturmschadenversicherung. Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen schlossen Beeinträchtigungen ohne Auswirkungen auf Brauchbarkeit, Funktionsfähigkeit oder Nutzungsdauer grundsätzlich aus und enthielten für die Neuwertentschädigung eine Wiederherstellungsklausel. Besondere Bedingungen bezogen jedoch optische Hagelschäden an sichtbaren Gebäudebestandteilen bis zu Versicherungssummen von 3.000 EUR und zusätzlich 7.000 EUR auf erstes Risiko in den Schutz ein. [3] [2]

Am 21. Juni 2021 entstanden rein optische Hagelschäden an den Raffstores des versicherten Objekts. Nach der Schadensmeldung und Vorlage eines Sanierungsangebots gab die Versichererin die Sanierung frei. Im Juni 2024 bestätigte eine Mitarbeiterin der Versichererin, dass auch ein neues Angebot in Ordnung gehe, und wies darauf hin, sämtliche Rechnungen müssten bis 21. Juni 2024 einlangen. [3]

Der Versicherungsnehmer nahm das Angebot des neuen Sanierungsunternehmens noch vor Ablauf der Dreijahresfrist durch Gegenzeichnung an. Die Rechnung wurde der Versichererin am 19. Juni 2024 übermittelt und von ihr bezahlt. Die tatsächliche Sanierung erfolgte erst am 6. Februar 2025. [3]

Ausführungen des OGH

Der OGH erklärte die Revision für zulässig und berechtigt. Allgemeine Versicherungsbedingungen sind nach den Grundsätzen der Vertragsauslegung und aus der Sicht eines durchschnittlich verständigen Versicherungsnehmers auszulegen. Maßgeblich sind der Wortlaut und der erkennbare Zweck der Klausel; Unklarheiten gehen regelmäßig zulasten des Versicherers als Verwender der Formulare. [3] [3]

Ergebnis

Der OGH gab der Revision des beklagten Versicherungsnehmers Folge und stellte das klageabweisende Urteil des Erstgerichts einschließlich der Kostenentscheidung wieder her. Die klagende Versichererin wurde zum Ersatz der mit 1.458,67 EUR bestimmten Kosten des Berufungsverfahrens und der mit 2.878,75 EUR bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens verpflichtet. [1] [3]

Rechtsgrundlagen

Im Mittelpunkt standen die Auslegung der Versicherungsbedingungen sowie die Voraussetzungen, unter denen die Wiederherstellung für eine Neuwertentschädigung als ausreichend gesichert gilt. [3] [3]

Spruch

Besondere Bedingungen erweiterten den Versicherungsschutz auf optische Hagelschäden, ohne das vereinbarte Wiederherstellungsregime auszuschließen. Der OGH gab der Revision des beklagten Versicherungsnehmers Folge und stellte das klageabweisende Ersturteil wieder her.

Quellennachweise aus dem RIS

[1]

Spruch

Der Revision wird Folge gegeben. Die angefochtene Entscheidung wird dahin abgeändert, dass das Urteil des Erstgerichts einschließlich seiner Kostenentscheidung wiederhergestellt wird. Die klagende Partei ist schuldig, der beklagten Partei die mit 1.458,67 EUR (darin enthalten 243,11 EUR USt) bestimmten Kosten des Berufungsverfahrens und die mit 2.878,75 EUR (darin enthalten 166,79 EUR USt) bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens binnen 14 Tagen zu ersetzen.

Aus dem strukturierten RIS-Abschnitt Spruch im Dokument JJT_20260818_OGH0002_0070OB00088_26F0000_000.

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[2]

Sachverhalt

Entscheidungsgründe: [1] Zwischen der Klägerin und dem Beklagten besteht eine Eigenheimversicherung, die auch eine Sturmschadenversicherung umfasst. Dieser liegen die „Allgemeinen Bedingungen der [Klägerin] für die Sturmversicherung (AStB 2002/Stufe 2)“ zu Grunde. Diese lauten auszugsweise: „Artikel 2 Nicht versicherte Schäden […] 8.

Aus dem strukturierten RIS-Abschnitt Sachverhalt im Dokument JJT_20260818_OGH0002_0070OB00088_26F0000_000.

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[3]

Rechtliche Beurteilung

[14] Die Revision ist zulässig. Das Rechtsmittel ist auch berechtigt. [15] 1.1 Allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) sind nach den Grundsätzen der Vertragsauslegung (§§ 914 f ABGB) auszulegen, und zwar orientiert am Maßstab des durchschnittlich verständigen Versicherungsnehmers und stets unter Berücksichtigung des erkennbaren Zwecks einer Bestimmung (RS0050063 [T71]; RS0112256 [T10]; RS0017960).

Aus dem strukturierten RIS-Abschnitt Rechtliche Beurteilung im Dokument JJT_20260818_OGH0002_0070OB00088_26F0000_000.

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[1]

RIS-Volltext

Böhm als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei G* Aktiengesellschaft, *, vertreten durch die Eger/Gründl Rechtsanwälte OG in Graz, gegen die beklagte Partei M* S*, vertreten durch die STTB Rechtsanwälte GmbH & Co KG in Altmünster, wegen 8.614,79 EUR sA, über die Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Landesgerichts Wels als Berufungsgericht vom 11.

Aus dem RIS-Dokument JJT_20260818_OGH0002_0070OB00088_26F0000_000.

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[2]

RIS-Kontext

März 2026, GZ 22 R 37/26m‑23, mit dem das Urteil des Bezirksgerichts Vöcklabruck vom 31.

Aus dem RIS-Dokument JJT_20260818_OGH0002_0070OB00088_26F0000_000.

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[3]

RIS-Kontext

Dezember 2025, GZ 55 C 436/25i‑18, teilweise abgeändert wurde, zu Recht erkannt: Der Revision wird Folge gegeben.

Aus dem RIS-Dokument JJT_20260818_OGH0002_0070OB00088_26F0000_000.

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Zitiert von und Rechtsprechungslinie

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Wichtige Punkte

  • Eine strenge Wiederherstellungsklausel kann den Anspruch auf die Neuwertspanne von der Durchführung oder ausreichenden Sicherung der Wiederherstellung abhängig machen.
  • Ein bindender Sanierungsvertrag ist grundsätzlich geeignet, die Wiederherstellung zu sichern.
  • Besondere Bedingungen können optische Schäden in den Versicherungsschutz einbeziehen, ohne das allgemeine Wiederherstellungsregime auszuschließen.
  • Im konkreten Verfahren wurde das klageabweisende Ersturteil wiederhergestellt.

Häufige Fragen

Wann ist die Wiederherstellung eines Hagelschadens ausreichend gesichert?

Nach den vom OGH dargestellten Grundsätzen genügt es, wenn aufgrund konkreter Vorkehrungen keine vernünftigen Zweifel an der Durchführung bestehen. Ein bindender Vertrag mit einem Sanierungsunternehmen ist grundsätzlich ausreichend.

Reicht ein Kostenvoranschlag für die Neuwertentschädigung aus?

Ein bloßer Kostenvoranschlag oder ein noch nicht angenommenes Angebot reicht nach den wiedergegebenen Grundsätzen grundsätzlich nicht aus. Entscheidend ist eine ausreichend verbindliche Sicherung der Wiederherstellung.

Gilt die Wiederherstellungsklausel auch für rein optische Hagelschäden?

Im entschiedenen Fall bejahte der OGH dies aufgrund des Zusammenspiels der Allgemeinen und Besonderen Versicherungsbedingungen.

Wie entschied der OGH zu 7 Ob 88/26f?

Der OGH gab der Revision des Versicherungsnehmers Folge und stellte das klageabweisende Urteil des Erstgerichts wieder her.

Quelle und Hinweis

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