RIS-Daten auf einen Blick
Sachverhalt
Der Käufer eines Fahrzeugs begehrte von der beklagten Verkäuferin 11.000 EUR samt Anhang an Preisminderung. Das Erstgericht gab der Klage statt. Das Berufungsgericht bestätigte das Urteil und erklärte die ordentliche Revision für nicht zulässig. [2]
Die beklagte Partei erhob dagegen eine als „außerordentliche Revision“ bezeichnete Eingabe. Das Erstgericht legte diese unmittelbar dem Obersten Gerichtshof vor. [2] [4]
Ausführungen des OGH
Der OGH beurteilte die unmittelbare Aktenvorlage als verfrüht. Maßgeblich waren der Entscheidungsgegenstand von 11.000 EUR und der negative Zulässigkeitsausspruch des Berufungsgerichts. [3] [6]
- Wertgrenzen: Übersteigt der Entscheidungsgegenstand 5.000 EUR, nicht aber insgesamt 30.000 EUR, ist die Revision bei einem negativen Zulässigkeitsausspruch nach § 502 Abs 3 ZPO grundsätzlich jedenfalls unzulässig. Ausgenommen sind der Fall des § 508 Abs 3 ZPO sowie die hier nicht vorliegenden Fälle des § 502 Abs 4 und 5 ZPO. [3]
- Abänderungsantrag: In dieser Konstellation kann die Partei nach § 508 Abs 1 ZPO nur beim Berufungsgericht beantragen, dessen Zulässigkeitsausspruch dahin abzuändern, dass die ordentliche Revision doch für zulässig erklärt wird. [3]
- Bezeichnung des Rechtsmittels: Eine dennoch erhobene ordentliche oder außerordentliche Revision ist als Antrag im Sinn des § 508 Abs 1 ZPO zu werten. Das Erstgericht hat sie nach § 507b Abs 2 ZPO dem Berufungsgericht vorzulegen, auch wenn sie an den OGH gerichtet ist. Dazu verweist der OGH auf RS0109623 und 3 Ob 171/25f, Rz 7. [6]
- Funktionelle Zuständigkeit: Solange das Berufungsgericht seinen Zulässigkeitsausspruch nicht abgeändert hat, fehlt dem OGH die funktionelle Zuständigkeit. Die Bezeichnung als „außerordentliche Revision“ rechtfertigte daher keine unmittelbare Vorlage an den OGH. [6]
- Allfällige Verbesserung: Ob der Schriftsatz den Anforderungen des § 508 Abs 1 ZPO entspricht oder einer Verbesserung bedarf, ließ der OGH offen. Diese Prüfung bleibt den Vorinstanzen vorbehalten. [6]
Ergebnis
Der OGH stellte den Akt dem Erstgericht zurück. Dieses hat die Vorlage des Rechtsmittels an das Berufungsgericht nachzuholen. [1] [6]
Der Beschluss enthält keine inhaltliche Entscheidung über den Preisminderungsanspruch. Ebenso wenig entschied der OGH, ob der Schriftsatz verbessert werden muss oder die ordentliche Revision nachträglich zuzulassen ist. [1] [6]
Rechtsgrundlagen
Die Entscheidung betrifft den verfahrensrechtlichen Weg zur Überprüfung eines negativen Revisionszulässigkeitsausspruchs im maßgeblichen Wertbereich. [3] [6]
- § 502 Abs 3 ZPO: Regelt die Revisionsbeschränkung bei einem Entscheidungsgegenstand über 5.000 EUR bis einschließlich 30.000 EUR und negativem Zulässigkeitsausspruch, vorbehaltlich der genannten Ausnahmen. [3]
- § 500 Abs 2 Z 3 ZPO: Betrifft den Ausspruch des Berufungsgerichts über die Zulässigkeit der ordentlichen Revision. [3]
- § 508 Abs 1 und 3 ZPO: Absatz 1 ermöglicht den Antrag auf Abänderung des Zulässigkeitsausspruchs. Absatz 3 wird als Ausnahme von der Revisionsbeschränkung des § 502 Abs 3 ZPO genannt. [3]
- § 507b Abs 2 ZPO: Begründet im vorliegenden Fall die Pflicht des Erstgerichts, das Rechtsmittel dem Berufungsgericht vorzulegen. [6]
- Judikatur zur Vorlage und Zuständigkeit: Der OGH verweist auf RS0109623 und 3 Ob 171/25f, Rz 7, zur Behandlung des Rechtsmittels als Abänderungsantrag sowie auf RS0109623 [T20] zur fehlenden funktionellen Zuständigkeit. [6]
- Judikatur zur Verbesserung: Zur Prüfung durch die Vorinstanzen nennt der OGH RS0109623 [T5, T8], RS0109501 [T12] und RS0109620 [insb T2]. [6]
Kernaussage (Zusammenfassung)
Bei einem Entscheidungsgegenstand von 11.000 EUR und einem negativen Zulässigkeitsausspruch des Berufungsgerichts war die als „außerordentliche Revision“ bezeichnete Eingabe zunächst dem Berufungsgericht vorzulegen. Mangels Abänderung dieses Ausspruchs fehlte dem OGH die funktionelle Zuständigkeit. Er stellte den Akt dem Erstgericht zurück.
Spruch (Originaltext aus dem RIS)
Der Akt wird dem Erstgericht zurückgestellt.
Quellennachweise aus dem RIS
Spruch – Auszug
Der Akt wird dem Erstgericht zurückgestellt.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260720_OGH0002_0030OB00098_26X0000_000.
Quelle im RIS öffnenSachverhalt – Auszug
Begründung:
[1] Mit der vorliegenden Klage begehrt der Käufer eines Fahrzeugs von der beklagten Verkäuferin 11.000 EUR sA an Preisminderung.
[2] Das Erstgericht gab der Klage statt.
[3] Das Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung und sprach aus, dass die ordentliche Revision nicht zulässig sei.
[4] Die dagegen vom Beklagten erhobene „außerordentliche Revision“ legte das Erstgericht dem Obersten Gerichtshof unmittelbar vor.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260720_OGH0002_0030OB00098_26X0000_000.
Quelle im RIS öffnenRechtliche Beurteilung – Auszug
[5] Die Aktenvorlage ist verfrüht.
[6] 1. Nach § 502 Abs 3 ZPO ist die Revision – außer im Fall des § 508 Abs 3 ZPO und in den hier nicht vorliegenden Fällen des § 502 Abs 4 und 5 ZPO – jedenfalls unzulässig, wenn der Entscheidungsgegenstand an Geld oder Geldeswert zwar 5.000 EUR, nicht aber insgesamt 30.000 EUR übersteigt und das Berufungsgericht die ordentliche Revision nach § 500 Abs 2 Z 3 ZPO für nicht zulässig erklärt hat. In diesem Fall kann die Partei gemäß § 508 Abs 1 ZPO nur einen Antrag an das Berufungsgericht stellen, seinen Zulässigkeitsausspruch dahin abzuändern, dass die ordentliche Revision doch für zulässig erklärt werde.
Vollständigen Abschnitt anzeigen
[5] Die Aktenvorlage ist verfrüht.
[6] 1. Nach § 502 Abs 3 ZPO ist die Revision – außer im Fall des § 508 Abs 3 ZPO und in den hier nicht vorliegenden Fällen des § 502 Abs 4 und 5 ZPO – jedenfalls unzulässig, wenn der Entscheidungsgegenstand an Geld oder Geldeswert zwar 5.000 EUR, nicht aber insgesamt 30.000 EUR übersteigt und das Berufungsgericht die ordentliche Revision nach § 500 Abs 2 Z 3 ZPO für nicht zulässig erklärt hat. In diesem Fall kann die Partei gemäß § 508 Abs 1 ZPO nur einen Antrag an das Berufungsgericht stellen, seinen Zulässigkeitsausspruch dahin abzuändern, dass die ordentliche Revision doch für zulässig erklärt werde.
[7] 2. Wird gegen eine Entscheidung, die nur mittels eines solchen Abänderungsantrags angefochten werden kann, eine ordentliche oder außerordentliche Revision erhoben, so hat – auch wenn das Rechtsmittel an den Obersten Gerichtshof gerichtet ist – das Erstgericht diese gemäß § 507b Abs 2 ZPO dem Berufungsgericht vorzulegen, weil derartige Rechtsmittel als Anträge im Sinn des § 508 Abs 1 ZPO zu werten sind (RS0109623; 3 Ob 171/25f [Rz 7]). Solange eine Abänderung des Zulassungsausspruchs durch das Berufungsgericht nicht erfolgt ist, mangelt es an der funktionellen Zuständigkeit des Obersten Gerichtshofs (RS0109623 [T20]).
[8] 3. Der Entscheidungsgegenstand, über den das Berufungsgericht entschieden hat, übersteigt hier zwar 5.000 EUR, nicht aber 30.000 EUR. Da das Berufungsgericht die ordentliche Revision für nicht zulässig erklärt hat, wäre das Rechtsmittel der Beklagten ungeachtet der Bezeichnung als „außerordentliche Revision“ nicht dem Obersten Gerichtshof, sondern dem Berufungsgericht vorzulegen gewesen.
[9] Dies wird das Erstgericht nachzuholen haben. Ob der Schriftsatz den Erfordernissen des § 508 Abs 1 ZPO entspricht oder ob er noch einer Verbesserung bedarf, bleibt der Beurteilung der Vorinstanzen vorbehalten (RS0109623 [T5, T8]; RS0109501 [T12]; RS0109620 [insb T2]).
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260720_OGH0002_0030OB00098_26X0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Senatspräsidenten Hon.‑Prof. Dr. Brenn als Vorsitzenden sowie die Hofrätinnen Dr. Weixelbraun‑Mohr und Dr. Kodek und die Hofräte Dr. Stefula und Mag. Schober als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei M*, vertreten durch die Bartl & Scala Rechtsanwälte OG in Graz, gegen die beklagte Partei K* GmbH, *, vertreten durch Mag. Leopold Zechner, Rechtsanwalt in Bruck an der Mur, wegen 11.000 EUR sA, über die „außerordentliche Revision“ der beklagten Partei gegen das Urteil des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Graz als Berufungsgericht vom 26. März 2026, GZ 3 R 41/25h-38, mit dem das Urteil des Bezirksgerichts Graz-West vom 30. Dezember 2024, GZ 313 C 50/24a-28, bestätigt wurde, den
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260720_OGH0002_0030OB00098_26X0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
[1] Mit der vorliegenden Klage begehrt der Käufer eines Fahrzeugs von der beklagten Verkäuferin 11.000 EUR sA an Preisminderung.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260720_OGH0002_0030OB00098_26X0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
[3] Das Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung und sprach aus, dass die ordentliche Revision nicht zulässig sei.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260720_OGH0002_0030OB00098_26X0000_000.
Quelle im RIS öffnenZitiert von und Rechtsprechungslinie
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Wichtige Punkte
- Bei 11.000 EUR Entscheidungsgegenstand und negativer Revisionszulassung führte der Verfahrensweg zunächst zum Berufungsgericht.
- Die Bezeichnung als „außerordentliche Revision“ änderte an der erforderlichen Vorlage an das Berufungsgericht nichts.
- Ohne Abänderung des Zulässigkeitsausspruchs fehlte dem OGH die funktionelle Zuständigkeit.
- Die Vorinstanzen müssen beurteilen, ob der Schriftsatz die Anforderungen des § 508 Abs 1 ZPO erfüllt oder verbessert werden muss.
Häufige Fragen
Warum stellte der OGH in 3Ob98/26x den Akt zurück?
Die unmittelbare Vorlage war verfrüht. Wegen des Entscheidungsgegenstands von 11.000 EUR und der negativen Revisionszulassung musste das Rechtsmittel zunächst dem Berufungsgericht vorgelegt werden.
Was bewirkt die Bezeichnung als „außerordentliche Revision“?
In der entschiedenen Konstellation änderte sie den Vorlageweg nicht. Das Rechtsmittel war als Antrag nach § 508 Abs 1 ZPO zu werten und dem Berufungsgericht vorzulegen.
Wer prüft, ob der Abänderungsantrag verbessert werden muss?
Der OGH behielt diese Beurteilung den Vorinstanzen vor. Er entschied nicht, ob der konkrete Schriftsatz einer Verbesserung bedarf.
Hat der OGH über die Preisminderung beim Fahrzeugkauf entschieden?
Nein. Der Beschluss behandelt die verfrühte Aktenvorlage und den erforderlichen Verfahrensweg, nicht die inhaltliche Berechtigung der Preisminderung.
Quelle und Hinweis
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Das Holding ist eine redaktionelle Zusammenfassung und keine Wiedergabe des gerichtlichen Spruchs.
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Die Wertgrenzen werden entsprechend der gelieferten Entscheidung dargestellt; eine externe Prüfung der Gesetzesfassung erfolgte nicht.
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