RIS-Daten auf einen Blick
Sachverhalt
Das Landesgericht St. Pölten verurteilte den Angeklagten wegen zweier Verbrechen des Suchtgifthandels und mehrerer Vergehen der Nötigung. Die Schuldsprüche betrafen die Bestimmung zur Einfuhr sowie das gewinnbringende Überlassen von Suchtgift jeweils in einer das 25-Fache der Grenzmenge übersteigenden Menge. Außerdem hatte der Angeklagte eine Frau wiederholt mit dem Umbringen bedroht, um sie von einer Anzeige wegen seines Suchtgifthandels abzuhalten. [2]
Gegen das Urteil vom 15. April 2026 erhob der Angeklagte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung. Gegenstand des Rechtsmittelverfahrens war außerdem eine Beschwerde gegen einen zugleich gefassten Beschluss nach § 494a StPO. Die Nichtigkeitsbeschwerde stützte sich auf § 281 Abs 1 Z 2, 3, 4, 5, 8, 9 lit a und 11 StPO. [4] [3]
Ausführungen des OGH
Der OGH sah keinen der geltend gemachten Nichtigkeitsgründe als durchgreifend an. Die Entscheidung unterscheidet insbesondere zwischen überprüfbaren Rechtsfragen, formalen Begründungsmängeln und einer im schöffengerichtlichen Verfahren unzulässigen bloßen Neubewertung der Beweise. [3]
- Belehrung vor ergänzenden Angaben: Der Betroffene war vor den im Amtsvermerk festgehaltenen mündlichen Angaben umfassend als Beschuldigter belehrt und vernommen worden. Er war daher über seine Stellung und Rechte nicht zu seinem Nachteil im Unklaren geblieben. Eine nichtige Erkundigung nach § 152 Abs 1 StPO lag nicht vor. [3]
- Aussagebefreiung und Lebensgemeinschaft: Das Erstgericht nahm an, dass die aufgelöste Lebensgemeinschaft durch einige Telefonate und einen zweiwöchigen Wohnungsaufenthalt nicht wieder aufgenommen worden war. Die Beschwerde stellte dem nur eigene Beweiserwägungen entgegen, statt die Tatsachengrundlage nach den Anforderungen einer Mängel- oder Tatsachenrüge zu bekämpfen. [3]
- Relevanz des Beweisantrags: Der Antrag auf Auswertung gespeicherter Gmail-Nachrichten zum Nachweis von Einkäufen von Dampfern und Dampfer-Produkten ließ die Bedeutung für die Schuld- oder Subsumtionsfrage nicht erkennen. Seine Abweisung war daher rechtmäßig. Eine erst im Rechtsmittel nachgetragene Begründung blieb wegen des Neuerungsverbots unbeachtlich. [3]
- Grenzen der Mängelrüge: Eigene Erwägungen zu Zeugenaussagen und Versandbestätigungen ersetzen keinen Begründungsmangel. Die Ableitung der Nötigungsfeststellungen verstieß weder gegen Logik noch gegen grundlegende Erfahrungssätze. Auf eine Aussage, der das Erstgericht ausdrücklich keinen Beweiswert zuerkannte, musste es nicht näher eingehen. [3]
- Tatidentität trotz abweichender Suchtgiftmenge: Die behauptete Anklageüberschreitung scheiterte daran, dass sich die Tatidentität aus anderen Umständen ergab: aus der Beschaffung beim selben Lieferanten und der Weitergabe an zahlreiche Abnehmer. Unter diesen Umständen war die Suchtgiftmenge für die Tatidentität nicht entscheidend. [3]
- Gesetzmäßige Ausführung der Rechtsrüge: Die Beschwerde bestritt die Eignung der Drohung, begründete Besorgnisse einzuflößen. Sie leitete diese Rechtsbehauptung jedoch nicht methodengerecht aus dem Gesetz ab und verfehlte damit die Anforderungen an die Rechtsrüge. [3]
Ergebnis
Der OGH wies die Nichtigkeitsbeschwerde gemäß § 285d Abs 1 StPO bereits in nichtöffentlicher Beratung zurück. Die Akten wurden dem Oberlandesgericht Wien zur Entscheidung über die Berufung und die Beschwerde zugeleitet. Der Angeklagte trägt die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens. [1] [3] [5]
Auch die Sanktionsrüge blieb erfolglos. Sie vermisste Feststellungen zur Ursächlichkeit der Drohung für das Unterbleiben einer Anzeige. Dabei überging sie die ausdrückliche Urteilsfeststellung, dass die Bedrohte infolge der angekündigten Tötung von einer Anzeige Abstand genommen hatte. [3]
Rechtsgrundlagen
Die Entscheidung verbindet die Anforderungen an die einzelnen Nichtigkeitsgründe mit den Vorschriften über Erkundigungen, Aussagebefreiung und die weitere Zuständigkeit im Rechtsmittelverfahren. [3]
- § 281 Abs 1 StPO: Maßgeblich waren die geltend gemachten Nichtigkeitsgründe der Z 2, 3, 4, 5, 8, 9 lit a und 11 sowie die jeweiligen Anforderungen an deren Ausführung. [3]
- § 152 Abs 1 und § 156 Abs 1 Z 1 StPO: Diese Bestimmungen betrafen die behauptete Nichtigkeit einer Erkundigung und das geltend gemachte Aussagebefreiungsrecht einer Zeugin. [3]
- § 28a Abs 1 und Abs 4 Z 3; § 28b SMG: Die Schuldsprüche wegen Suchtgifthandels betrafen die Einfuhr und das Überlassen von Suchtgift in einer das 25-Fache der Grenzmenge übersteigenden Menge. [2] [3]
- § 105 Abs 1 und § 74 Abs 1 Z 5 StGB: Die Nötigungsschuldsprüche und die Rechtsrüge betrafen Drohungen zur Verhinderung einer Anzeige sowie deren Eignung, begründete Besorgnisse einzuflößen. [2] [3]
- § 285d Abs 1 und § 285i StPO: Diese Bestimmungen tragen die sofortige Zurückweisung der Nichtigkeitsbeschwerde und die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts für die Berufung. [3]
- § 494a und § 498 Abs 3 StPO: Die Beschwerde gegen den zugleich mit dem Urteil gefassten Beschluss war ebenfalls vom Oberlandesgericht zu entscheiden. [4] [3]
Kernaussage (Zusammenfassung)
Der OGH wies die Nichtigkeitsbeschwerde gegen Schuldsprüche wegen Suchtgifthandels und Nötigung zurück. Eine vorausgegangene umfassende Belehrung stand der behaupteten Nichtigkeit einer Erkundigung entgegen. Mehrere weitere Rügen verfehlten die prozessualen Anforderungen. Über Berufung und Beschwerde entscheidet das Oberlandesgericht Wien.
Spruch (Originaltext aus dem RIS)
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.
Zur Entscheidung über die Berufung und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Quellennachweise aus dem RIS
Spruch – Auszug
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.
Zur Entscheidung über die Berufung und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260922_OGH0002_0110OS00078_26V0000_000.
Quelle im RIS öffnenSachverhalt – Auszug
Gründe:
[1] Mit dem angefochtenen Urteil wurde * U* je eines Verbrechens des Suchtgifthandels nach § 28a Abs 1 zweiter und dritter Fall, Abs 4 Z 3 SMG (I) und nach § 28a Abs 1 fünfter Fall, Abs 4 Z 3 SMG (II) sowie mehrerer Vergehen der Nötigung nach § 105 Abs 1 StGB (III) schuldig erkannt.
[2] Danach hat er in T* und an anderen Orten im Bundesgebiet zumindest seit dem April 2021 bis zum 5. August 2025
Vollständigen Abschnitt anzeigen
Gründe:
[1] Mit dem angefochtenen Urteil wurde * U* je eines Verbrechens des Suchtgifthandels nach § 28a Abs 1 zweiter und dritter Fall, Abs 4 Z 3 SMG (I) und nach § 28a Abs 1 fünfter Fall, Abs 4 Z 3 SMG (II) sowie mehrerer Vergehen der Nötigung nach § 105 Abs 1 StGB (III) schuldig erkannt.
[2] Danach hat er in T* und an anderen Orten im Bundesgebiet zumindest seit dem April 2021 bis zum 5. August 2025
I) * M* dazu bestimmt (§ 12 zweiter Fall StGB), vorschriftswidrig Suchtgift in einer das 25‑Fache der Grenzmenge (§ 28b SMG) übersteigenden Menge in zahlreichen Angriffen von Deutschland nach Österreich einzuführen, indem er beim Genannten zumindest 80 Kilogramm Amphetamin mit einem durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von zumindest 9,29 % Amphetamin bestellte, das dieser postalisch von Deutschland nach Österreich an ihn übermittelte und fallweise auch persönlich von Deutschland nach Österreich brachte und ihm übergab,
II) vorschriftswidrig Suchtgift in einer das 25‑Fache der Grenzmenge (§ 28b SMG) übersteigenden Menge, und zwar zumindest 79 Kilogramm Amphetamin mit einem durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von zumindest 9,29 % Amphetamin und 190 Gramm Methamphetamin (Crystal Meth) mit einem durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von zumindest 61,11 % Methamphetamin anderen gewinnbringend überlassen, und zwar zumindest 5 Gramm Crystal Meth an * B*, zumindest ein Gramm Crystal Meth an * F*, 124 Gramm Crystal Meth an * E*, 60 Gramm Crystal Meth an * N* und 79 Kilogramm Amphetamin an nicht bekannte Abnehmer,
III) vom April 2021 bis zum Februar 2025 in wiederholten Angriffen * S* durch gefährliche Drohung mit einer Verletzung am Körper, und zwar durch die sinngemäße Äußerung, er werde sie umbringen, wenn sie ihn wegen des von ihm betriebenen Suchtgifthandels anzeige, zu einer Unterlassung, nämlich zur Abstandnahme von einer Anzeigenerstattung, genötigt.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260922_OGH0002_0110OS00078_26V0000_000.
Quelle im RIS öffnenRechtliche Beurteilung – Auszug
[3] Dagegen richtet sich die auf § 281 Abs 1 Z 2, 3, 4, 5, 8, 9 lit a und 11 StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten.
Vollständigen Abschnitt anzeigen
[3] Dagegen richtet sich die auf § 281 Abs 1 Z 2, 3, 4, 5, 8, 9 lit a und 11 StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten.
[4] Die Verfahrensrüge (Z 2) wendet ein, der den Angeklagten belastende Amtsvermerk über Angaben des * F* gegenüber dem Polizeibeamten * N* (ON 2.10, 1 f) sei Letzterem im Rahmen seiner Einvernahme als Zeuge in der Hauptverhandlung vom 30. Jänner 2026 vorgehalten worden (ON 59.5, 42 f), obwohl sich die Verteidigerin „zum frühestens möglichen Zeitpunkt“ ausdrücklich gegen dessen „Verlesung“ ausgesprochen habe (ON 59.5, 54; ON 66.3, 2). Bei diesem Amtsvermerk handle es sich um einen nichtigen Akt des Ermittlungsverfahrens (§ 152 Abs 1 StPO), weil * F* zuvor nicht über seine Stellung im Verfahren und seine damit verbundenen Rechte informiert worden sei.
[5] Nach der Aktenlage wurde * F* am 11. Juni 2025 – nach umfassender Belehrung über seine Rechte – als Beschuldigter niederschriftlich vernommen (ON 20.6 [insbesondere S 3 f und 9]) und machte danach mündlich die in dem in Rede stehenden Aktenvermerk festgehaltenen Angaben (ON 2.2, 6; ON 2.10, 1). Solcherart war er über seine Stellung und Rechte im Verfahren nicht zu seinem Nachteil im Unklaren gelassen worden (vgl auch Kirchbacher/Keglevic, WK‑StPO § 152 Rz 1; US 16), sodass – der Beschwerdeansicht zuwider – keine nichtige Erkundigung (§ 152 Abs 1 StPO) vorliegt (vgl auch 11 Os 54/24m Rz 4 ff mit Glosse Ratz in EvBl 2024/295).
[6] Bei der Rüge von Verfahrensmängeln kann nur die unrichtige Entscheidung in der jeweiligen (prozessualen) Rechtsfrage beim Rechtsmittelgericht geltend gemacht werden. Die Sachverhaltsgrundlage dieser Entscheidung, über die das verantwortliche Organ in freier Beweiswürdigung zu entscheiden hatte, ist im Verfahren über die Nichtigkeitsbeschwerde der Überprüfung nur dahin zugänglich, ob das Gericht diese in formal einwandfreier Weise, also nicht willkürlich, geschaffen hat.
[7] Die Nichtanerkennung eines Aussagebefreiungsrechts nach § 156 Abs 1 Z 1 StPO der Zeugin S* in der Hauptverhandlung am 30. Jänner 2026 erfolgte (erkennbar) auf Basis der Annahme, dass die zwischen dieser und dem Angeklagten Anfang 2025 aufgelöste Lebensgemeinschaft während der seit August 2025 andauernden Inhaftierung des Angeklagten nicht schon durch einige Telefonate und einen zweiwöchigen (unangemeldeten) Aufenthalt dieser Zeugin in der früher gemeinsam bewohnten Wohnung wieder aufgenommen worden war (ON 59.5 S 4, 6 f, 29 f; US 10). Indem die Rüge diese Sachverhaltsgrundlage nicht nach Maßgabe einer Mängel‑ oder Tatsachenrüge (Z 5 oder Z 5a des § 281 Abs 1 StPO [Ratz, WK‑StPO § 281 Rz 40 und 49 f; RIS‑Justiz RS0118977 und RS0118016]) bekämpft, sondern ihr bloß eigene beweiswürdigende Erwägungen gegenüberstellt, verfehlt sie ihr Ziel (vgl dazu auch Kirchbacher/Keglevic, WK‑StPO § 159 Rz 19).
[8] Der Antrag auf „Auswertung des Handys hinsichtlich der Gmail‑Nachrichten, die darauf gespeichert sind“, zum „Beweis für die Einkäufe von Dampfern und Dampfer‑Produkten“ (ON 59.5, 54), ließ nicht erkennen, inwieweit dies für die Lösung der Schuld‑ oder der Subsumtionsfrage von Bedeutung ist (vgl RIS‑Justiz RS0118444; Ratz, WK‑StPO § 281 Rz 327) und verfiel schon deshalb zu Recht der Abweisung (ON 70.3, 2).
[9] Hinzugefügt sei, dass die Tatrichter ohnedies davon ausgingen, dass auch sogenannte „Dampfer“ an den Angeklagten übermittelt wurden (siehe US 11).
[10] Im Rechtsmittel nachgetragene Ausführungen zur Antragsfundierung haben angesichts des sich aus dem Wesen des herangezogenen Nichtigkeitsgrundes ergebenden Neuerungsverbots auf sich zu beruhen (RIS‑Justiz RS0099618).
[11] Die Mängelrüge behauptet eine offenbar unzureichende Begründung (Z 5 vierter Fall) der Feststellungen zum Schuldspruch I und II. Indem sie der – in der Beschwerde wiedergegebenen – Beweiswürdigung der Tatrichter bloß eigene Erwägungen zu den Angaben der Zeugin * S*, den von M* an den Beschwerdeführer übermittelten Versandbestätigungen und den Erhebungsergebnissen betreffend der Lo* GmbH (US 11 f) gegenüberstellt, wendet sie sich bloß nach Art einer im schöffengerichtlichen Verfahren nicht vorgesehenen (§ 283 Abs 1 StPO) Berufung wegen des Ausspruchs über die Schuld in unzulässiger Weise gegen die tatrichterliche Beweiswürdigung (§ 258 Abs 2 StPO).
[12] Gleiches gilt für den Einwand offenbar unzureichender Begründung der Feststellungen zum Schuldspruch III, deren Ableitung aus den als glaubwürdig erachteten Angaben der Zeugin * S*, der eindeutigen Wortwahl des Angeklagten sowie dem vom Zeugen * N* geschilderten „ängstlichen Eindruck“ der Genannten bei ihrer Vernehmung (US 14 f) weder gegen Gesetze der Logik noch gegen grundlegende Erfahrungssätze verstößt (vgl dazu RIS‑Justiz RS0118317).
[13] In Bezug auf die als übergangen (Z 5 zweiter Fall) gerügte Aussage des * F* als Zeuge (ON 20.7, 1 f iVm ON 70.2, 2), haben die Tatrichter zum Ausdruck gebracht, dieser keinen Beweiswert zuzuerkennen (US 11). Solcherart waren sie nicht gehalten, auf diese Angaben näher einzugehen.
[14] Gestützt auf Z 8 des § 281 Abs 1 StPO behauptet die Beschwerde eine Anklageüberschreitung, weil das Überlassen einer insgesamt das 25-Fache der Grenzmenge (§ 28b SMG) übersteigenden Menge an Suchtgift (§ 28a Abs 4 Z 3 SMG) nicht von der Anklage (siehe ON 46, 1 f und 4 f) umfasst gewesen sei. Damit verkennt sie die Irrelevanz der Suchtgiftmenge für die Frage nach der Tatidentität, wenn sich diese – wie hier – aus anderen Umständen (insbesondere der Art der Beschaffung des in der Folge überlassenen Suchtgifts vom selben Lieferanten und Weitergabe an eine Vielzahl an Abnehmern) ergibt (RIS‑Justiz RS0088302 und RS0098487 [T12]; Lewisch, WK‑StPO § 262 Rz 59).
[15] Die Rechtsrüge (Z 9 lit a) zum Schuldspruch III bestreitet die Eignung der festgestellten Äußerung, der Bedrohten begründete Besorgnisse iSd § 74 Abs 1 Z 5 StGB einzuflößen, ohne diese Rechtsbehauptung (dazu RIS‑Justiz RS0092448 [T5] und RS0092102, RS0092160) methoden-
gerecht aus dem Gesetz abzuleiten (siehe aber RIS‑Justiz RS0116565).
[16] Die Sanktionsrüge (Z 11) vermisst zum Schuldspruch III Feststellungen zur Kausalität des Verhaltens des Angeklagten für die Abstandnahme des Opfers von der Anzeigeerstattung als Grundlage der tatrichterlichen Annahme der Deliktsvollendung (und daraus resultierender Nichtannahme des Milderungsgrundes nach § 34 Abs 1 Z 13 StGB). Damit orientiert sie sich prozessordnungswidrig nicht am Urteilssachverhalt, wonach der Angeklagte gegenüber der Genannten ankündigte, sie im Fall einer Anzeigeerstattung umzubringen, „woraufhin“ diese von einer solchen Abstand nahm (US 8; RIS‑Justiz RS0099810).
[17] Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher – in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur – gemäß § 285d Abs 1 StPO bereits bei der nichtöffentlichen Beratung sofort zurückzuweisen.
[18] Die Entscheidung über die Berufung und die als erhoben zu betrachtende Beschwerde kommt dem Oberlandesgericht zu (§§ 285i, 498 Abs 3 dritter und vierter Satz StPO).
[19] Der Kostenausspruch beruht auf § 390a Abs 1 StPO.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260922_OGH0002_0110OS00078_26V0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Der Oberste Gerichtshof hat am 22. September 2026 durch die Vizepräsidentin des Obersten Gerichtshofs Mag. Marek als Vorsitzende sowie die Hofrätinnen und die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Mag. Fürnkranz, Dr. Oberressl, Dr. Brenner und Mag. Riffel in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Seybert LL.M., BA als Schriftführerin in der Strafsache gegen * U* wegen des Verbrechens des Suchtgifthandels nach § 28a Abs 1 fünfter Fall, Abs 4 Z 3 SMG sowie weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts St. Pölten als Schöffengericht vom 15. April 2026, GZ 16 Hv 139/25p‑70.4, weiters über die Beschwerde des Genannten gegen einen zugleich gefassten Beschluss gemäß § 494a StPO nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260922_OGH0002_0110OS00078_26V0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Zur Entscheidung über die Berufung und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260922_OGH0002_0110OS00078_26V0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Dem Angeklagten fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260922_OGH0002_0110OS00078_26V0000_000.
Quelle im RIS öffnenZitiert von und Rechtsprechungslinie
Zitationsnetzwerk wird aus RIS-Fundstellen und Volltextauswertung aufgebaut.
Wichtige Punkte
- Eine umfassende vorherige Belehrung kann dem Einwand einer nichtigen Erkundigung nach § 152 Abs 1 StPO entgegenstehen.
- Ein Beweisantrag muss seine Bedeutung für die Schuld- oder Subsumtionsfrage erkennen lassen.
- Eigene Beweiserwägungen ersetzen keine gesetzmäßig ausgeführte Mängelrüge.
- Für die Tatidentität war die Suchtgiftmenge hier nicht entscheidend, weil andere Umstände die Tat individualisierten.
- Die Zurückweisung der Nichtigkeitsbeschwerde erledigte die Berufung und die Beschwerde nicht.
Häufige Fragen
Was entschied der OGH in 11Os78/26v?
Der OGH wies die Nichtigkeitsbeschwerde gegen die Schuldsprüche wegen Suchtgifthandels und Nötigung zurück. Über die Berufung und die Beschwerde entscheidet das Oberlandesgericht Wien.
Warum lag keine nichtige Erkundigung vor?
Der Betroffene war vor seinen ergänzenden mündlichen Angaben umfassend über seine Rechte als Beschuldigter belehrt worden. Er war daher über seine Stellung und Rechte nicht zu seinem Nachteil im Unklaren geblieben.
Warum wurde die Auswertung der Gmail-Nachrichten abgelehnt?
Der Beweisantrag ließ nicht erkennen, welche Bedeutung der Nachweis von Einkäufen von Dampfern und Dampfer-Produkten für die Schuld- oder Subsumtionsfrage hatte. Eine nachträgliche Ergänzung im Rechtsmittel konnte diesen Mangel nicht beheben.
Bedeutete die höhere Suchtgiftmenge eine Anklageüberschreitung?
Nach der Entscheidung nicht. Die Tatidentität ergab sich hier aus anderen Umständen, insbesondere der Beschaffung beim selben Lieferanten und der Weitergabe an zahlreiche Abnehmer. Die Suchtgiftmenge war dafür nicht entscheidend.
Quelle und Hinweis
Diese LexFind-Seite wurde aus RIS-Metadaten, RIS-Volltext und einem LLM-Entwurf generiert. Sie ist ein Rechercheeinstieg und ersetzt nicht die Prüfung der Originalentscheidung.
Automatisch aus RIS-Metadaten und abrufbarem Volltext erzeugt.
Weiter recherchieren
Verwandte Suchseiten
Weitere OGH-Entscheidungen
Beweiswürdigung und Verfall gemeinsamen Bargelds – OGH 13Os73/26y
Der OGH grenzt Mängel- und Tatsachenrügen von Beweiswürdigungskritik ab und prüft den Verfall sichergestellten gemeinsamen Bargelds.
Unterbringung: Grenzen der Nichtigkeitsbeschwerde – OGH 11Os84/26a
Der OGH grenzt die Anfechtung der Gefährlichkeitsprognose ab und erläutert die Verhältnismäßigkeitsprüfung bei der Unterbringung.
Mängelrüge und entscheidende Tatsachen beim Suchtgifthandel – 12Os71/26x
Der OGH weist eine Mängelrüge zum Suchtgifthandel zurück: Unbekämpfte Feststellungen tragen die Qualifikation bereits selbstständig.
Brandstiftung: Grenzen der Nichtigkeitsbeschwerde – OGH 14Os95/26s
Der OGH weist die Nichtigkeitsbeschwerde im Brandstiftungsfall zurück und erläutert die Anforderungen an Verfahrens-, Mängel- und Tatsachenrügen.