RIS-Daten auf einen Blick
Sachverhalt
Im Verfahren wegen Unterlassung und Zahlung von 8.500 EUR samt Anhang begehrte der Kläger eine einstweilige Verfügung. Gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Wien als Rekursgericht vom 18. Mai 2026 erhob er außerordentlichen Revisionsrekurs. [4]
Gegenstand des Rechtsmittels waren unter anderem Äußerungen über eine ideologisch getriebene Fixierung, moralische Selbstüberhöhung und den Einsatz des Rechtswegs als Einschüchterungsinstrument. Außerdem ging es um die Verarbeitung und Veröffentlichung persönlicher Daten sowie um eine behauptete rechtswidrige Eingabe personenbezogener Daten in ein KI-System. [6]
Ausführungen des OGH
Der Bedeutungsinhalt einer Äußerung, ihre Einordnung als Tatsachenbehauptung oder Werturteil, ein möglicher Wertungsexzess und die Interessenabwägung nach Art 6 Abs 1 lit f DSGVO hängen von den Umständen des Einzelfalls ab. Sie begründen regelmäßig keine erhebliche Rechtsfrage, sofern dem Gericht zweiter Instanz keine aufzugreifende Fehlbeurteilung unterlaufen ist. Eine solche sah der OGH hier nicht. [3]
- Gesamtzusammenhang und Durchschnittsadressat: Ob eine beweisbare Tatsachenbehauptung oder ein subjektives Werturteil vorliegt, richtet sich nach Gesamtzusammenhang und Gesamteindruck aus Sicht des unbefangenen Durchschnittsadressaten. Der subjektive Wille des Erklärenden ist nicht maßgebend. [6]
- Grenzen bei Personen des öffentlichen Lebens: Bei „public figures“ kann bereits ein dünnes Tatsachensubstrat eine Wertung tragen. Auch ihnen gegenüber rechtfertigt die Meinungsfreiheit jedoch keine Herabsetzung durch unwahre Tatsachenbehauptungen. [6]
- Werturteile ohne Gesundheitsbezug: Der OGH billigte die Einordnung der Äußerungen im abweisenden Teil der einstweiligen Verfügung als reine Werturteile und Charakterisierungen. Im Gesamtzusammenhang hatten sie keinen Bezug zur psychischen Gesundheit des Klägers. [6]
- Unbekämpfte Hilfsbegründung: Der Revisionsrekurs bekämpfte nicht die zusätzliche Begründung, wonach der Kläger erstinstanzlich nur zwei der Vorwürfe als unrichtig qualifiziert hatte. Auch eine selbständig tragfähige Hilfsbegründung muss im außerordentlichen Rechtsmittel angegriffen werden. [6]
- Unterlassene Rechtsrüge zur KI-Datenverarbeitung: Aus der Eingabe seiner personenbezogenen Daten in ein KI-System hatte der Kläger im Rekursverfahren ausdrücklich keine Rechtswidrigkeit der Datenverarbeitung abgeleitet. Die in diesem selbständigen Teilbereich unterlassene Rechtsrüge konnte im Revisionsrekurs nicht nachgeholt werden. [6]
- Bestimmtheit des Unterlassungsbegehrens: Nicht korrekturbedürftig war auch die Beurteilung, das betreffende Unterlassungsbegehren zur Verarbeitung und Veröffentlichung eigener persönlicher Daten sei zu unbestimmt. Es bot der Beklagten keine geeignete Richtschnur für ihr künftiges Verhalten. [6]
Ergebnis
Der OGH wies den außerordentlichen Revisionsrekurs mangels der Voraussetzungen des § 528 Abs 1 ZPO zurück. Die Entscheidung enthält damit keine allgemeine inhaltliche Aussage darüber, ob die Eingabe personenbezogener Daten in ein KI-System zulässig ist. [1] [6]
Die behauptete Widersprüchlichkeit der Rekursentscheidung lag ebenfalls nicht vor. Dem Sicherungsbegehren hinsichtlich der Daten der Kinder des Klägers hatte bereits das Erstgericht stattgegeben; dieser Teil war vom Rekursgericht nicht zu beurteilen. [6]
Rechtsgrundlagen
Für die Zurückweisung ist § 528 Abs 1 ZPO maßgeblich. In seiner allgemeinen Begründung zur Einzelfallabhängigkeit verweist der OGH auf den Maßstab der erheblichen Rechtsfrage nach § 502 Abs 1 ZPO. [1] [3]
- § 528 Abs 1 ZPO: Mangels der Voraussetzungen dieser Bestimmung wurde der außerordentliche Revisionsrekurs zurückgewiesen. [1]
- §§ 78 Abs 1, 402 Abs 4 EO; § 526 Abs 2 Satz 1 ZPO: Diese Bestimmungen nennt der OGH als weitere verfahrensrechtliche Grundlagen der Zurückweisung im Sicherungsverfahren. [1]
- Art 6 Abs 1 lit f DSGVO: Die Interessenabwägung nach dieser Bestimmung ist einzelfallabhängig und begründet regelmäßig keine erhebliche Rechtsfrage. [3]
- RS0031883; RS0031815; RS0078409: Diese Rechtsprechungsnachweise betreffen die Abgrenzung von Tatsachenbehauptungen und Werturteilen sowie die Beurteilung nach Gesamtzusammenhang und Gesamteindruck. [6]
- RS0115541; RS0032201; RS0127027: Der OGH verweist auf diese Rechtsprechung zu Wertungen über „public figures“ und zur Grenze unwahrer Tatsachenbehauptungen. Zusätzlich nennt er 6 Ob 192/25s, Rz 24. [6]
- RS0118709: Auch eine selbständig tragfähige Hilfsbegründung der zweiten Instanz muss im außerordentlichen Rechtsmittel bekämpft werden. [6]
Kernaussage (Zusammenfassung)
Der OGH wies den außerordentlichen Revisionsrekurs zurück. Die Einordnung der beanstandeten Äußerungen als Werturteile war nicht korrekturbedürftig. Eine selbständig tragfähige Hilfsbegründung blieb unbekämpft. Die Rechtsrüge zur Eingabe personenbezogener Daten in ein KI-System konnte nicht nachgeholt werden; zudem war das betreffende Unterlassungsbegehren zu unbestimmt.
Spruch (Originaltext aus dem RIS)
Der außerordentliche Revisionsrekurs wird gemäß §§ 78 Abs 1, 402 Abs 4 EO iVm § 526 Abs 2 Satz 1 ZPO mangels der Voraussetzungen des § 528 Abs 1 ZPO zurückgewiesen.
Quellennachweise aus dem RIS
Spruch – Auszug
Der außerordentliche Revisionsrekurs wird gemäß §§ 78 Abs 1, 402 Abs 4 EO iVm § 526 Abs 2 Satz 1 ZPO mangels der Voraussetzungen des § 528 Abs 1 ZPO zurückgewiesen.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260812_OGH0002_0060OB00104_26A0000_000.
Quelle im RIS öffnenSachverhalt – Auszug
Begründung:
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260812_OGH0002_0060OB00104_26A0000_000.
Quelle im RIS öffnenRechtliche Beurteilung – Auszug
[1] 1. Die Ermittlung des Bedeutungsinhalts einer Äußerung (RS0031883 [T6]), die Beurteilung, ob eine Äußerung Tatsachen oder bloße Werturteile enthält (RS0031883 [T17]; vgl RS0031815) und ob eine bestimmte Äußerung als Wertungsexzess zu qualifizieren ist (RS0113943), sowie die Interessenabwägung nach Art 6 Abs 1 lit f DSGVO (RS0044088 [T58]) hängen stets von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab und bilden daher in der Regel keine erhebliche Rechtsfrage im Sinn des § 502 Abs 1 ZPO, es sei denn, dem Gericht zweiter Instanz wäre eine aufzugreifende Fehlbeurteilung unterlaufen. Dies ist hier nicht der Fall:
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[1] 1. Die Ermittlung des Bedeutungsinhalts einer Äußerung (RS0031883 [T6]), die Beurteilung, ob eine Äußerung Tatsachen oder bloße Werturteile enthält (RS0031883 [T17]; vgl RS0031815) und ob eine bestimmte Äußerung als Wertungsexzess zu qualifizieren ist (RS0113943), sowie die Interessenabwägung nach Art 6 Abs 1 lit f DSGVO (RS0044088 [T58]) hängen stets von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab und bilden daher in der Regel keine erhebliche Rechtsfrage im Sinn des § 502 Abs 1 ZPO, es sei denn, dem Gericht zweiter Instanz wäre eine aufzugreifende Fehlbeurteilung unterlaufen. Dies ist hier nicht der Fall:
[2] 2. Ob Tatsachen verbreitet werden, die einem Beweis zugänglich sind, oder ein rein auf der subjektiven Meinung des Erklärenden basierendes Werturteil vorliegt, ist nach ständiger Rechtsprechung anhand des Gesamtzusammenhangs und des Gesamteindrucks der Äußerungen nach Maßgabe des angesprochenen Verkehrskreises („unbefangener Durchschnittsadressat“) zu beurteilen (RS0031883; RS0031815 [insb T17, T19]; RS0078409 [T2]), nicht aber ist der subjektive Wille des Erklärenden maßgebend (RS0031883). Bei „public figures“ genügt bereits ein „dünnes Tatsachensubstrat“ für die Zulässigkeit einer Wertung (vgl RS0115541 [T20]; RS0032201 [T23]; RS0127027). Auch gegenüber „public figures“ kann aber das Recht auf freie Meinungsäußerung eine Herabsetzung durch unwahre Tatsachenbehauptungen nicht rechtfertigen (RS0032201; zuletzt 6 Ob 192/25s Rz 24).
[3] 3. Wenn das Rekursgericht ausgehend davon die Äußerungen im abweisenden Teil der einstweiligen Verfügung, nämlich „ideologisch getriebene Fixierung, moralische Selbstüberhöhung, Kontrollverlust durch Ideologie, eine Art Rachefeldzug gegen die *, Inanspruchnahme des Rechtswegs als Einschüchterungsinstrument oder Eskalation mit juristischen Mitteln“, im Gesamtzusammenhang als reine Werturteile und Charakterisierungen ohne Bezug zur (psychischen) Gesundheit des Klägers beurteilt, begegnet dies keinen Bedenken.
[4] 4. Gegen die Begründung des Rekursgerichts, der Kläger habe in erster Instanz lediglich die Vorwürfe eines Einschüchterungsinstruments und einer Eskalation mit juristischen Mitteln als unrichtig qualifiziert, die übrigen zu beurteilenden Äußerungen aber nicht, wendet sich der Revisionsrekurs im Übrigen gar nicht. Wird die Entscheidung der zweiten Instanz auch auf eine selbständig tragfähige Hilfsbegründung gestützt, muss auch diese im außerordentlichen Rechtsmittel bekämpft werden (RS0118709).
[5] 5. Aus der im Revisionsrekurs behaupteten (rechtswidrigen) Datenverarbeitung durch Eingabe personenbezogener Daten des Klägers in ein KI‑System hat der Kläger im Rekursverfahren ausdrücklich keine Rechtswidrigkeit der Datenverarbeitung abgeleitet. Die in einem selbständigen Teilbereich in zweiter Instanz unterlassene Rechtsrüge kann im Revisionsrekursverfahren nicht nachgeholt werden (vgl RS0043573 [insb T33]). Im Übrigen ist die Beurteilung des Rekursgerichts, das diesbezügliche Unterlassungsbegehren hinsichtlich der Verarbeitung und Veröffentlichung eigener persönlicher Daten sei zu unbestimmt und nicht geeignet, der Beklagten als Richtschnur für ihr künftiges Verhalten zu dienen, nicht korrekturbedürftig.
[6] 6. Die im Revisionsrekurs monierte Widersprüchlichkeit der Rekursentscheidung liegt nicht vor, weil dem Sicherungsbegehren hinsichtlich der Daten der Kinder des Klägers vom Erstgericht stattgegeben wurde und dieses vom Rekursgericht nicht zu beurteilen war.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260812_OGH0002_0060OB00104_26A0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Der Oberste Gerichtshof hat durch die Senatspräsidentin Dr. Hofer-Zeni-Rennhofer als Vorsitzende sowie die Hofrätinnen und Hofräte Hon.‑Prof. Dr. Faber, Mag. Pertmayr, Dr. Weber und Mag. Nigl LL.M. als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden und gefährdeten Partei * S*, vertreten durch Dr. Robert Kerschbaumer, Rechtsanwalt in Lienz, wider die beklagte Partei und Gegnerin der gefährdeten Partei * N*, vertreten durch Auer Bodingbauer Leitner Stöglehner Rechtsanwälte OG in Linz, wegen Unterlassung und 8.500 EUR sA, hier wegen Erlassung einer einstweiligen Verfügung, über den außerordentlichen Revisionsrekurs der klagenden und gefährdeten Partei gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Wien als Rekursgericht vom 18. Mai 2026, GZ 33 R 57/26h‑24, den
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260812_OGH0002_0060OB00104_26A0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Der außerordentliche Revisionsrekurs wird gemäß §§ 78 Abs 1, 402 Abs 4 EO iVm § 526 Abs 2 Satz 1 ZPO mangels der Voraussetzungen des § 528 Abs 1 ZPO zurückgewiesen.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260812_OGH0002_0060OB00104_26A0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
[1] 1. Die Ermittlung des Bedeutungsinhalts einer Äußerung (RS0031883 [T6]), die Beurteilung, ob eine Äußerung Tatsachen oder bloße Werturteile enthält (RS0031883 [T17]; vgl RS0031815) und ob eine bestimmte Äußerung als Wertungsexzess zu qualifizieren ist (RS0113943), sowie die Interessenabwägung nach Art 6 Abs 1 lit f DSGVO (RS0044088 [T58]) hängen stets von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab und bilden daher in der Regel keine erhebliche Rechtsfrage im Sinn des § 502 Abs 1 ZPO, es sei denn, dem Gericht zweiter Instanz wäre eine aufzugreifende Fehlbeurteilung unterlaufen. Dies ist hier nicht der Fall:
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260812_OGH0002_0060OB00104_26A0000_000.
Quelle im RIS öffnenZitiert von und Rechtsprechungslinie
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Wichtige Punkte
- Tatsachenbehauptung oder Werturteil: Entscheidend sind Gesamtzusammenhang und Eindruck beim unbefangenen Durchschnittsadressaten.
- Auch bei Personen des öffentlichen Lebens rechtfertigt die Meinungsfreiheit keine herabsetzenden unwahren Tatsachenbehauptungen.
- Eine selbständig tragfähige Hilfsbegründung muss ebenfalls im außerordentlichen Rechtsmittel bekämpft werden.
- Eine im Rekurs unterlassene Rechtsrüge in einem selbständigen Teilbereich kann im Revisionsrekurs nicht nachgeholt werden.
- Die Entscheidung klärt nicht allgemein die Zulässigkeit der Eingabe personenbezogener Daten in KI-Systeme.
Häufige Fragen
Was entschied der OGH in 6Ob104/26a?
Der OGH wies den außerordentlichen Revisionsrekurs im Verfahren über eine einstweilige Verfügung zurück. Er sah keine aufzugreifende Fehlbeurteilung bei der Einordnung der Äußerungen. Hinzu kamen prozessuale Hindernisse und die Unbestimmtheit des betreffenden Unterlassungsbegehrens.
Wie werden Tatsachenbehauptungen und Werturteile unterschieden?
Maßgeblich sind Gesamtzusammenhang und Gesamteindruck aus Sicht des unbefangenen Durchschnittsadressaten. Tatsachen sind einem Beweis zugänglich; reine Werturteile beruhen auf subjektiver Meinung. Der subjektive Wille des Erklärenden entscheidet nicht.
Hat der OGH die Dateneingabe in ein KI-System für zulässig erklärt?
Nein. Die entsprechende Rechtsrüge war im Rekursverfahren unterblieben und konnte im Revisionsrekurs nicht nachgeholt werden. Zudem beanstandete der OGH die Beurteilung des betreffenden Unterlassungsbegehrens als zu unbestimmt nicht.
Warum lag hinsichtlich der Daten der Kinder kein Widerspruch vor?
Das Erstgericht hatte dem Sicherungsbegehren zu den Daten der Kinder bereits stattgegeben. Dieser Teil war vom Rekursgericht nicht zu beurteilen und begründete daher keine Widersprüchlichkeit seiner Entscheidung.
Quelle und Hinweis
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Der gelieferte Auszug enthält keinen vollständigen Kontext der beanstandeten Äußerungen.
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