RIS-Daten auf einen Blick
Sachverhalt
Der Disziplinarrat der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer fasste am 17. März 2025 einen Einleitungsbeschluss gegen einen Rechtsanwalt. Er sah Grund zur Disziplinarbehandlung in mündlicher Verhandlung wegen des Verdachts der Verletzung von Berufspflichten und der Beeinträchtigung der Ehre oder des Ansehens des Standes. Die vorgeworfenen Handlungen lagen vor dem 1. August 2024. [2]
Mit einem als „Unzuständigkeitseinrede“ und „Befangenheitsantrag“ bezeichneten Schriftsatz vom 22. Mai 2025 verlangte der Beschuldigte die Aufhebung des Einleitungsbeschlusses wegen Unzuständigkeit sowie die Feststellung der Befangenheit des Vorsitzenden, der zugleich Präsident des Disziplinarrats war. [6]
Der Präsident des Disziplinarrats wies beide Begehren am 28. Jänner 2026 als unzulässig zurück. Mit Beschwerden vom 27. Februar 2026 bekämpfte der Beschuldigte sowohl den Einleitungsbeschluss als auch diesen Zurückweisungsbeschluss. [6]
Ausführungen des OGH
Der OGH unterschied zwischen der Unzulässigkeit eines Rechtsmittels gegen den Einleitungsbeschluss und der Zuständigkeit zur Entscheidung über die eingebrachten Begehren. Der Rechtsmittelausschluss begründete keine Vorprüfungskompetenz des Präsidenten des Disziplinarrats. [3] [6]
- Rechtsmittelausschluss: Nach § 28 Abs 2 letzter Satz DSt ist gegen einen Einleitungsbeschluss kein Rechtsmittel zulässig. Die Beschwerde gegen den Beschluss vom 17. März 2025 war daher zurückzuweisen. [3]
- Übergangsrecht und Vorprüfung: Bei vor dem 1. August 2024 begangenen Disziplinarvergehen besteht keine Kompetenz des Disziplinarratspräsidenten zur Vorprüfung der Beschwerdezulässigkeit. Auch unzulässige Beschwerden sind nach § 46 DSt in der früheren Fassung dem OGH vorzulegen. [6]
- Befangenheit des Disziplinarratspräsidenten: Betrifft ein Antrag wegen Ausschließung oder Befangenheit den Disziplinarratspräsidenten selbst, entscheidet vor Beginn der mündlichen Verhandlung der Präsident des OGH. Der betroffene Disziplinarratspräsident durfte daher nicht selbst über den Antrag entscheiden. [6]
- Gesonderte Entscheidung über die Ablehnung: Der Präsident des OGH hatte den Ablehnungsantrag bereits mit Beschluss vom 29. April 2026 zu AZ 504 Präs 13/26k abgewiesen. [6]
- Wirkungsloser Beschluss: Dem Disziplinarratspräsidenten fehlte für beide Begehren die Entscheidungskompetenz. Sein Beschluss vom 28. Jänner 2026 entfaltete deshalb keine Wirkung und war zur Klarstellung zu beseitigen. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde damit gegenstandslos. [6]
Ergebnis
Der OGH entschied am 13. Juli 2026 als Disziplinargericht für Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsanwärter. Er wies die Beschwerde gegen den Einleitungsbeschluss vom 17. März 2025 zurück und beseitigte den Beschluss des Disziplinarratspräsidenten vom 28. Jänner 2026 zur Klarstellung. [4] [1]
Die Beseitigung des späteren Beschlusses bedeutete weder eine Aufhebung des Einleitungsbeschlusses noch eine Stattgabe des Befangenheitsantrags. Die Entscheidung betraf die Zulässigkeit des Rechtsmittels und die Entscheidungskompetenz, nicht die Berechtigung der disziplinären Vorwürfe. [1] [6]
Rechtsgrundlagen
Zentral sind der Rechtsmittelausschluss nach § 28 Abs 2 DSt und die Übergangsregelung für vor dem 1. August 2024 begangene Disziplinarvergehen. Die Begründung verweist ergänzend auf Rechtsprechung zur Vorlage unzulässiger Beschwerden und zur Wirkung kompetenzwidrig gefasster Beschlüsse. [3] [6]
- § 28 Abs 1 und Abs 2 DSt: Der Disziplinarrat entscheidet als Senat über die Einleitung der mündlichen Disziplinarbehandlung. Gegen den Einleitungsbeschluss ist nach Abs 2 letzter Satz kein Rechtsmittel zulässig. [2] [3]
- § 80 Abs 13 erster Satz DSt: Der OGH zieht diese Übergangsbestimmung in Verbindung mit §§ 46 und 48 Abs 1a DSt für die Frage der Vorprüfungskompetenz bei vor dem 1. August 2024 begangenen Disziplinarvergehen heran. [6]
- § 46 DSt in der Fassung vor BGBl I 2024/93: Nach der hier maßgeblichen früheren Fassung sind auch unzulässige Beschwerden dem OGH zur Entscheidung vorzulegen. Der OGH verweist dazu auf RIS-Justiz RS0130015. [6]
- § 62 Abs 1 zweiter Satz OGH-Geo 2019: Die Entscheidung erging nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung. [4]
- Rechtsprechung zur Wirkungslosigkeit: Zur klarstellenden Beseitigung des wirkungslosen Beschlusses verweist der OGH auf RIS-Justiz RS0116267 [T16], RS0116270 [T8 und T9] sowie RS0130015 [T1]. [6]
Kernaussage (Zusammenfassung)
Der OGH wies die Beschwerde gegen den Einleitungsbeschluss als unzulässig zurück. Bei Disziplinarvergehen vor dem 1. August 2024 durfte der Disziplinarratspräsident die Beschwerde nicht auf ihre Zulässigkeit prüfen. Auch über den gegen ihn gerichteten Befangenheitsantrag durfte er nicht entscheiden. Sein Beschluss wurde als wirkungslos zur Klarstellung beseitigt; die dagegen erhobene Beschwerde war gegenstandslos.
Spruch (Originaltext aus dem RIS)
Die Beschwerde gegen den Beschluss vom 17. März 2025 (ON 7) wird zurückgewiesen.
Der Beschluss des Präsidenten des Disziplinarrats der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer vom 28. Jänner 2026 (ON 10) wird zur Klarstellung beseitigt.
Quellennachweise aus dem RIS
Spruch – Auszug
Die Beschwerde gegen den Beschluss vom 17. März 2025 (ON 7) wird zurückgewiesen.
Der Beschluss des Präsidenten des Disziplinarrats der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer vom 28. Jänner 2026 (ON 10) wird zur Klarstellung beseitigt.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260713_OGH0002_0220DS00003_26Z0000_000.
Quelle im RIS öffnenSachverhalt – Auszug
Gründe:
[1] Mit Beschluss vom 17. März 2025 (ON 7) sprach der Disziplinarrat der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer (als Senat gemäß § 28 Abs 1 DSt) aus, dass im Sinn des § 28 Abs 2 DSt Grund zur Disziplinarbehandlung des Rechtsanwalts * in mündlicher Verhandlung wegen des Verdachts von – vor dem 1. August 2024 begangenen (BS 7 ff iVm BS 1 f) – Disziplinarvergehen der Verletzung von Berufspflichten und der Beeinträchtigung der Ehre oder des Ansehens des Standes vorliegt (Einleitungsbeschluss).
Vollständigen Abschnitt anzeigen
Gründe:
[1] Mit Beschluss vom 17. März 2025 (ON 7) sprach der Disziplinarrat der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer (als Senat gemäß § 28 Abs 1 DSt) aus, dass im Sinn des § 28 Abs 2 DSt Grund zur Disziplinarbehandlung des Rechtsanwalts * in mündlicher Verhandlung wegen des Verdachts von – vor dem 1. August 2024 begangenen (BS 7 ff iVm BS 1 f) – Disziplinarvergehen der Verletzung von Berufspflichten und der Beeinträchtigung der Ehre oder des Ansehens des Standes vorliegt (Einleitungsbeschluss).
[2] Mit als „Unzuständigkeitseinrede“ und „Befangenheitsantrag“ tituliertem Schriftsatz vom 22. Mai 2025 (ON 9) begehrte der Beschuldigte, den Einleitungsbeschluss „wegen Unzuständigkeit des Entscheidungsträgers als nichtig aufzuheben“ und die Befangenheit des Vorsitzenden, des Präsidenten des Disziplinarrats, festzustellen.
[3] Mit Beschluss vom 28. Jänner 2026 (ON 10) wies der Disziplinarrat der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer durch seinen Präsidenten diese beiden Begehren als unzulässig zurück.
[4] Mit (in einem Schriftsatz ausgeführten) Beschwerden vom 27. Februar 2026 (ON 11) bekämpft der Beschuldigte die Beschlüsse der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer vom 17. März 2025 und vom 28. Jänner 2026.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260713_OGH0002_0220DS00003_26Z0000_000.
Quelle im RIS öffnenRechtliche Beurteilung – Auszug
[5] Gegen einen Beschluss, nach dem Grund zur Disziplinarbehandlung in mündlicher Verhandlung vorliegt (Einleitungsbeschluss), ist gemäß § 28 Abs 2 letzter Satz DSt ein Rechtsmittel nicht zulässig. Demzufolge war die Beschwerde gegen den Beschluss von 17. März 2025 (ON 7) zurückzuweisen.
Vollständigen Abschnitt anzeigen
[5] Gegen einen Beschluss, nach dem Grund zur Disziplinarbehandlung in mündlicher Verhandlung vorliegt (Einleitungsbeschluss), ist gemäß § 28 Abs 2 letzter Satz DSt ein Rechtsmittel nicht zulässig. Demzufolge war die Beschwerde gegen den Beschluss von 17. März 2025 (ON 7) zurückzuweisen.
[6] Eine Kompetenz des Präsidenten des Disziplinarrats zur Vorprüfung der Zulässigkeit einer gegen einen Beschluss des Disziplinarrats gerichteten Beschwerde besteht im Verfahren wegen – wie hier – vor dem 1. August 2024 begangener Disziplinarvergehen nicht (vgl § 80 Abs 13 erster Satz DSt iVm §§ 46, 48 Abs 1a DSt). Vielmehr sind in solchen Fällen auch unzulässige Beschwerden dem Obersten Gerichtshof zur Entscheidung vorzulegen (§ 46 DSt idF vor BGBl I 2024/93 [RIS‑Justiz RS0130015]).
[7] Über das Vorliegen von Ausschließungs‑ oder Befangenheitsgründen entscheidet vor Beginn der mündlichen Verhandlung der Präsident des Obersten Gerichtshofs, wenn von einem diesbezüglichen Antrag – wie hier – der Präsident des Disziplinarrats selbst betroffen ist.
[8] Fallbezogen hat der Präsident des Obersten Gerichtshofs mit zu AZ 504 Präs 13/26k ergangenem Beschluss vom 29. April 2026 den Antrag des Beschuldigten auf Ablehnung des Präsidenten des Disziplinarrats der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer abgewiesen.
[9] Mit Blick auf das bisher Dargelegte kam dem Präsidenten des Disziplinarrats der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer somit weder in Bezug auf die Beschwerde gegen den Einleitungsbeschluss noch hinsichtlich des Ablehnungsantrags eine Entscheidungskompetenz zu. Der von ihm dennoch gefasste Beschluss vom 28. Jänner 2026 (ON 10) entfaltet daher keine Wirkung und war solcherart zur Klarstellung zu beseitigen (vgl RIS‑Justiz RS0116267 [T16], RS0116270 [T8 und T9] sowie RS0130015 [T1]). Die gegen diesen Beschluss gerichtete Beschwerde ist solcherart gegenstandslos.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260713_OGH0002_0220DS00003_26Z0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Der Oberste Gerichtshof als Disziplinargericht für Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsanwärter hat am 13. Juli 2026 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Prof. Dr. Lässig als Vorsitzenden, den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Mag. Ziegelbauer als weiteren Richter sowie die Rechtsanwälte Dr. Pressl und Dr. Forcher als Anwaltsrichter in der Disziplinarsache gegen *, Rechtsanwalt in *, über die Beschwerden des Beschuldigten gegen die zu AZ D 15/24 des Disziplinarrats der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer ergangenen Beschlüsse vom 17. März 2025 (ON 7) und vom 28. Jänner 2026 (ON 10) nach Anhörung der Generalprokuratur nichtöffentlich (§ 62 Abs 1 zweiter Satz OGH‑Geo 2019) den
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260713_OGH0002_0220DS00003_26Z0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Der Beschluss des Präsidenten des Disziplinarrats der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer vom 28. Jänner 2026 (ON 10) wird zur Klarstellung beseitigt.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260713_OGH0002_0220DS00003_26Z0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
[1] Mit Beschluss vom 17. März 2025 (ON 7) sprach der Disziplinarrat der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer (als Senat gemäß § 28 Abs 1 DSt) aus, dass im Sinn des § 28 Abs 2 DSt Grund zur Disziplinarbehandlung des Rechtsanwalts * in mündlicher Verhandlung wegen des Verdachts von – vor dem 1. August 2024 begangenen (BS 7 ff iVm BS 1 f) – Disziplinarvergehen der Verletzung von Berufspflichten und der Beeinträchtigung der Ehre oder des Ansehens des Standes vorliegt (Einleitungsbeschluss).
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260713_OGH0002_0220DS00003_26Z0000_000.
Quelle im RIS öffnenZitiert von und Rechtsprechungslinie
Zitationsnetzwerk wird aus RIS-Fundstellen und Volltextauswertung aufgebaut.
Wichtige Punkte
- Gegen den Einleitungsbeschluss nach § 28 Abs 2 DSt ist kein Rechtsmittel zulässig.
- Bei Taten vor dem 1. August 2024 sind auch unzulässige Beschwerden dem OGH zur Entscheidung vorzulegen.
- Über die Ablehnung des Disziplinarratspräsidenten entscheidet vor Verhandlungsbeginn der Präsident des OGH.
- Die Beseitigung des wirkungslosen Beschlusses ließ den Einleitungsbeschluss unberührt.
Häufige Fragen
Ist ein Einleitungsbeschluss im anwaltlichen Disziplinarverfahren anfechtbar?
Nach § 28 Abs 2 letzter Satz DSt ist gegen den Beschluss, mit dem Grund zur Disziplinarbehandlung in mündlicher Verhandlung festgestellt wird, kein Rechtsmittel zulässig. Der OGH wies die entsprechende Beschwerde deshalb zurück.
Darf der Disziplinarratspräsident unzulässige Beschwerden selbst zurückweisen?
Für die hier betroffenen, vor dem 1. August 2024 begangenen Disziplinarvergehen verneinte der OGH diese Vorprüfungskompetenz. Nach der maßgeblichen früheren Fassung des § 46 DSt sind auch unzulässige Beschwerden dem OGH vorzulegen.
Wer entscheidet über die Befangenheit des Disziplinarratspräsidenten?
Ist der Disziplinarratspräsident selbst vom Antrag betroffen, entscheidet vor Beginn der mündlichen Verhandlung der Präsident des OGH. Im vorliegenden Fall hatte dieser den Ablehnungsantrag bereits gesondert abgewiesen.
Warum wurde der Beschluss vom 28. Jänner 2026 beseitigt?
Der Disziplinarratspräsident war weder für die Entscheidung über die Beschwerde gegen den Einleitungsbeschluss noch für den gegen ihn gerichteten Ablehnungsantrag zuständig. Sein Beschluss entfaltete keine Wirkung und wurde deshalb zur Klarstellung beseitigt.
Quelle und Hinweis
Diese LexFind-Seite wurde aus RIS-Metadaten, RIS-Volltext und einem LLM-Entwurf generiert. Sie ist ein Rechercheeinstieg und ersetzt nicht die Prüfung der Originalentscheidung.
Automatisch aus RIS-Metadaten und abrufbarem Volltext erzeugt.
Weiter recherchieren
Verwandte Suchseiten
Weitere OGH-Entscheidungen
Irreführende Fehlzitate: Disziplinarstrafe erhöht – OGH 21Ds6/26h
Der OGH erhöht die Geldbuße wegen irreführender Fehlzitate auf 3.000 Euro und erläutert die Grenzen der Milderung durch ein Tatsachengeständnis.
Zeugenverlesung im Disziplinarverfahren: OGH 20Ds1/26s
Der OGH hebt ein Disziplinarerkenntnis auf: Schweigen zur Zeugenverlesung ersetzt keine Zustimmung; fehlender Aussagezwang genügt nicht.
Wiedereinsetzungsantrag per E-Mail im Disziplinarverfahren – OGH 22Ds6/26s
OGH 22Ds6/26s zur unzulässigen Einbringung eines Wiedereinsetzungsantrags per E-Mail im anwaltlichen Disziplinarverfahren.
E-Mail-Rechtsmittel und Streichung von der Liste – OGH 22Ds11/25z
Der OGH weist E-Mail-Rechtsmittel im Disziplinarverfahren zurück und verhängt wegen schwerer Pflichtverletzungen die Streichung von der Liste.