RIS-Daten auf einen Blick
Sachverhalt
Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten gewerbsmäßigen schweren Betrug vorgeworfen. Er habe gemeinsam mit Mittätern Bankverantwortliche über die Rechtmäßigkeit von Kontoeingängen aus SEPA-Lastschriften getäuscht und dadurch Auszahlungen und Überweisungen veranlasst. Das Landesgericht Innsbruck verurteilte ihn hingegen als Bestimmungstäter wegen betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs und Geldwäscherei. [2] [6]
Nach den erstinstanzlichen Feststellungen hatte der Angeklagte andere Personen durch einen Tatplan und entsprechende Aufforderungen zur Umsetzung bestimmt. Lastschriftaufträge ohne zugrunde liegende Mandate führten zu Abbuchungen von insgesamt 11.218.937 Euro bei einem französischen und einem spanischen Unternehmen. Die gutgeschriebenen Gelder wurden durch Bargeldbehebungen und Überweisungen weiterverwendet, um ihren illegalen Ursprung zu verschleiern. [2]
Der Angeklagte erhob Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung gegen das Urteil vom 18. September 2025. Er beanstandete unter anderem, dass die Schuldsprüche von der Anklage abwichen und ohne ausreichende Erörterung ergangen seien. Der OGH entschied am 20. Jänner 2026. [4] [3]
Ausführungen des OGH
Die Nichtigkeitsbeschwerde war insoweit berechtigt, als sie die abweichende Annahme von Bestimmungstäterschaft bekämpfte. Entscheidend war nicht allein der Wechsel der Straftatbestände, sondern das Informationsdefizit hinsichtlich der geänderten Beteiligungsform bei erheblich unterschiedlichen Tathandlungen. [3]
- Information nach § 262 StPO: Überdecken sich die äußeren Tatbilder von Anklage und Schuldspruch nicht, kann eine fehlende Information nach § 262 StPO Nichtigkeit nach § 281 Abs 1 Z 8 StPO begründen. Bei weniger relevanten Abweichungen muss der Beschwerdeführer eine Verletzung seiner Verteidigungsrechte behaupten. [3]
- Änderung der Beteiligungsform: Eine Information ist in analoger Anwendung des § 262 StPO auch bei jeder Änderung der Beteiligungsform erforderlich. Decken sich Anklagevorwurf und festgestellte Tathandlungen tatsächlich nicht, liegt die Möglichkeit einer anderen Verteidigungsstrategie auf der Hand; zusätzliches Vorbringen dazu ist nicht nötig. [3]
- Hinweis auf andere Straftatbestände: In der Hauptverhandlung wurde auf eine mögliche Subsumtion unter §§ 148a, 165 StGB hingewiesen. Das genügte hier nicht: Wegen der erheblichen Abweichung der angelasteten Tathandlungen musste auch über den Wechsel vom unmittelbaren Täter zum Bestimmungstäter informiert werden. [3]
- Unmittelbarer Vermögensschaden: Für den zweiten Rechtsgang betonte der OGH, dass der Schaden nach § 148a StGB unmittelbar aus der Beeinflussung der Datenverarbeitung folgen muss. Nach den bisherigen Annahmen war er bei den belasteten Unternehmen eingetreten. Ein mittelbarer Folgeschaden der Bank ist davon zu unterscheiden. [3]
- Verfall beim tatsächlichen Empfänger: Zum Verfall von 2.145.823,26 Euro fehlten Feststellungen, ob die Vermögenswerte dem Angeklagten tatsächlich zugekommen waren. Bei mehreren Empfängern darf bei jedem nur der Betrag für verfallen erklärt werden, der dem von ihm tatsächlich rechtswidrig erlangten Vermögenswert entspricht. [3]
Ergebnis
Der OGH gab der Nichtigkeitsbeschwerde statt und hob das angefochtene Urteil auf. Die Aufhebung erfasste die Schuldsprüche, den Strafausspruch einschließlich der Vorhaftanrechnung sowie das Verfalls- und Adhäsionserkenntnis. Die Sache wurde zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Innsbruck verwiesen. [1] [3]
Die Entscheidung erfolgte bereits in nichtöffentlicher Beratung nach § 285e StPO. Auf das weitere Beschwerdevorbringen musste der OGH nicht eingehen. Mit seiner Berufung wurde der Angeklagte auf die aufhebende Entscheidung verwiesen. [1] [3]
Rechtsgrundlagen
Die Aufhebung beruhte auf dem strafprozessualen Informationsgebot bei abweichender rechtlicher Beurteilung. Die Hinweise zu Datenverarbeitungsmissbrauch und Verfall betreffen die neuerliche Verhandlung und Entscheidung. [3]
- § 262 StPO: Die Vorschrift schützt vor einer überraschenden abweichenden rechtlichen Beurteilung. Der OGH verlangt ihre analoge Anwendung auch bei einer Änderung der Beteiligungsform. [3]
- § 281 Abs 1 Z 8 StPO: Dieser Nichtigkeitsgrund trägt hier die Aufhebung wegen der unzureichenden Information über die vom Anklagevorwurf abweichende Beteiligungsform. [3]
- § 260 Abs 1 Z 1 und § 211 Abs 1 Z 2 StPO: Der OGH vergleicht die dem Schuldspruch zugrunde liegende Tat mit dem im Anklagetenor beschriebenen Tatbild. [3]
- Art 6 Abs 3 lit a und b MRK: Die garantierten Verteidigungsrechte sind bei Abweichungen geringerer Relevanz maßgeblich. Eine Verletzung muss in solchen Fällen vom Beschwerdeführer behauptet werden. [3]
- §§ 12 zweiter Fall, 148a und 165 StGB: Die aufgehobenen Schuldsprüche betrafen Bestimmungstäterschaft zu betrügerischem Datenverarbeitungsmissbrauch und Geldwäscherei. [6]
- § 20 Abs 3 StGB: Für den ausgesprochenen Verfall fehlten Feststellungen zum tatsächlichen Empfang der Vermögenswerte durch den Angeklagten. [3]
Verfahrensrechtliche Grundlage der Aufhebung
§ 285e StPO ermöglichte die Aufhebung und Zurückverweisung bereits in nichtöffentlicher Beratung. Eine Behandlung der übrigen Beschwerdepunkte war danach nicht erforderlich. [3]
Kernaussage (Zusammenfassung)
Der OGH hob das Urteil wegen unzureichender Information über die geänderte Beteiligungsform auf. Bei erheblich abweichenden Tathandlungen genügte der Hinweis auf eine mögliche Beurteilung nach §§ 148a, 165 StGB nicht. Die Annahme von Bestimmungstäterschaft statt unmittelbarer Täterschaft erforderte eine entsprechende Belehrung. Die Sache wurde zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen.
Spruch (Originaltext aus dem RIS)
In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde wird das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Innsbruck verwiesen.
Mit seiner Berufung wird der Angeklagte auf diese Entscheidung verwiesen.
Quellennachweise aus dem RIS
Spruch – Auszug
In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde wird das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Innsbruck verwiesen.
Mit seiner Berufung wird der Angeklagte auf diese Entscheidung verwiesen.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260120_OGH0002_0150OS00133_25K0000_000.
Quelle im RIS öffnenSachverhalt – Auszug
Gründe:
[1] Mit dem angefochtenen Urteil wurde * T* – abweichend von der auf das Verbrechen des gewerbsmäßigen schweren Betrugs nach §§ 146, 147 Abs 3, 148 zweiter Fall StGB gerichteten Anklage – je eines Verbrechens des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs nach §§ 12 zweiter Fall, 148a Abs 1, Abs 2 (richtig:) dritter Fall und Abs 3 StGB (1./) sowie der Geldwäscherei nach §§ 12 zweiter Fall, 165 Abs 1 Z 1 und Abs 4 (zu ergänzen: erster Fall) StGB (2./) schuldig erkannt.
[2] Danach hat er vor dem 27. August 2024 an einem unbekannten Ort * To*, * A*, * Al* und * Ar* durch Entwicklung des Tatplans und entsprechende Aufforderung dazu bestimmt, von 27. August 2024 bis Februar 2025 in I*
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Gründe:
[1] Mit dem angefochtenen Urteil wurde * T* – abweichend von der auf das Verbrechen des gewerbsmäßigen schweren Betrugs nach §§ 146, 147 Abs 3, 148 zweiter Fall StGB gerichteten Anklage – je eines Verbrechens des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs nach §§ 12 zweiter Fall, 148a Abs 1, Abs 2 (richtig:) dritter Fall und Abs 3 StGB (1./) sowie der Geldwäscherei nach §§ 12 zweiter Fall, 165 Abs 1 Z 1 und Abs 4 (zu ergänzen: erster Fall) StGB (2./) schuldig erkannt.
[2] Danach hat er vor dem 27. August 2024 an einem unbekannten Ort * To*, * A*, * Al* und * Ar* durch Entwicklung des Tatplans und entsprechende Aufforderung dazu bestimmt, von 27. August 2024 bis Februar 2025 in I*
1./ die Unternehmen A* und P* dadurch am Vermögen zu schädigen, dass sie das Ergebnis einer automationsunterstützten Datenverarbeitung durch unrechtmäßige Eingabe von Daten beeinflussten, indem To* Lastschriftaufträge, denen keine Lastschriftmandate zugrunde lagen, in die Telebanking‑Webmaske der H* AG eingab, wodurch ab 9. Jänner 2025
a) 286 Lastschrifteinzüge über insgesamt 4.282.030 Euro zu Lasten eines Kontos des französischen Unternehmens A* und
b) 468 Lastschrifteinzüge über insgesamt 6.936.907 Euro zu Lasten eines Kontos des spanischen Unternehmens P*
automatisch abgebucht und im Gesamtbetrag von 11.218.937 Euro dem Konto der F* GmbH bei der H* AG gutgeschrieben wurden, somit ein 300.000 Euro übersteigender Schaden herbeigeführt wurde,
wobei T* mit dem Vorsatz handelte, sich und andere unrechtmäßig zu bereichern (US 8);
2./ aus einer kriminellen Tätigkeit, nämlich aus dem zu 1./ festgestellten Verhalten, herrührende Vermögensbestandteile in einem 50.000 Euro übersteigenden Wert, und zwar durch die SEPA-Lastschrifteinzüge generierte Kontoguthaben der F* GmbH durch im Urteil im Einzelnen angeführte Tathandlungen (Bargeldbehebungen und Überweisungen) umzuwandeln und anderen zu übertragen, wobei T* mit dem Vorsatz handelte, den illegalen Ursprung der Vermögenswerte zu verschleiern (US 8 f).
[3] Die Staatsanwaltschaft hatte dem Beschwerdeführer zur Last gelegt, er habe – soweit hier relevant – im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Mittätern Verantwortliche einer Bank durch Täuschung über die Rechtmäßigkeit von aus SEPA-Lastschrifteinzügen resultierenden Kontoeingängen zu Auszahlungen und Überweisungen verleitet (ON 104, 1 f). Die Lastschrifteinzüge seien vom Beschwerdeführer und seinen Mittätern veranlasst worden (ON 104, 5). Die auf diese Weise erlangten Vermögenswerte seien zum Zweck der Verschleierung ihrem gemeinsamen Tatplan folgend weiter transferiert worden (ON 104, 4, 8).
[4] Entsprechend den Urteilsfeststellungen wurde der Beschwerdeführer schuldig erkannt, den unmittelbaren Täter und die weiteren Mit- oder Beitragstäter aufgefordert, ihren Tatentschluss hervorgerufen und sie angeleitet zu haben, seinen Tatplan umzusetzen bzw daran mitzuwirken, nämlich durch die – mangels zugrunde liegender Lastschriftmandate – unrechtmäßige Eingabe von Lastschriftaufträgen Kontogutschriften zu erzielen und diese Guthaben zum Zweck der Verschleierung des illegalen Ursprungs anderen zu übertragen (US 1 f, 4, 6 f, 8 f).
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260120_OGH0002_0150OS00133_25K0000_000.
Quelle im RIS öffnenRechtliche Beurteilung – Auszug
[5] Dagegen richtet sich die auf § 281 Abs 1 Z 3, 5, 5a, 8, „9b“, 10 und 11 StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten, der Berechtigung zukommt.
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[5] Dagegen richtet sich die auf § 281 Abs 1 Z 3, 5, 5a, 8, „9b“, 10 und 11 StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten, der Berechtigung zukommt.
[6] Aus Z 8 (nominell verfehlt auch Z 3) rügt die Beschwerde eine Überschreitung der Anklage, weil diese wegen des Verbrechens des gewerbsmäßigen schweren Betrugs nach §§ 146, 147 Abs 3, 148 zweiter Fall StGB erhoben worden sei, davon abweichend und ohne entsprechende Erörterung jedoch Schuldsprüche wegen des Verbrechens des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs nach §§ 12 zweiter Fall, 148a Abs 1, Abs 2 zweiter Fall und Abs 3 StGB und des Verbrechens der Geldwäscherei nach §§ 12 zweiter Fall, 165 Abs 1 Z 1 und Abs 4 StGB ergangen seien.
[7] Sie ist insoweit im Recht, als sie sich gegen die von der Anklage als unmittelbarer Täter divergierende Annahme von Bestimmungstäterschaft wendet.
[8] Als Nichtbeachtung des § 262 StPO können Abweichungen in der rechtlichen Beurteilung des von der Anklage erfassten Sachverhalts releviert werden. Eine Verletzung des § 262 StPO und damit Nichtigkeit gemäß § 281 Abs 1 Z 8 StPO ist dann anzunehmen, wenn das Tatbild (die äußere Tatseite) der dem Schuldspruch zugrunde liegenden Tat (§ 260 Abs 1 Z 1 StPO) von jenem des Anklagetenors (§ 211 Abs 1 Z 2 StPO) derart verschieden ist, dass sich die jeweils angenommenen Tatbilder nicht überdecken und – mit Blick auf die Fairness des Verfahrens – zuvor keine dem Schutzzweck des § 262 StPO entsprechende Information des Angeklagten erfolgt ist. Hingegen ist es bei Abweichungen von geringerer Relevanz Sache des Beschwerdeführers, eine Verletzung seiner aus Art 6 Abs 3 lit a oder b MRK garantierten Verteidigungsrechte zu behaupten. Eine solche Information ist – in analoger Anwendung des § 262 StPO – auch bei jeder Änderung der Beteiligungsform erforderlich (vgl RIS-Justiz RS0113755 [insb T22, T25], RS0121419 [T10]; Ratz, WK-StPO § 281 Rz 545, Lewisch, WK-StPO § 262 Rz 88, 101).
[9] Bei bloß geänderter Beteiligungsform (hier: Bestimmungstäter statt unmittelbarer Täter) bedarf es keines Vorbringens des Rechtsmittelwerbers im dargestellten Sinn, wenn sich die Urteilsfeststellungen über die Tathandlungen und der Anklagevorwurf im Tatsächlichen nicht überdecken, weil dann die Plausibilität einer (möglichen) anderen Verteidigungsstrategie auf der Hand liegt (vgl 15 Os 102/22x [Rz 5 f]; Ratz, WK-StPO § 281 Rz 545 mwN).
[10] Zwar erfolgte in der Hauptverhandlung – entgegen dem Beschwerdevorbringen – ein Hinweis darauf, dass der Sachverhalt allenfalls auch „den §§ 148a, 165 StGB“ subsumiert werden könnte (ON 125, 3). Angesichts der erheblichen Abweichung der dem Beschwerdeführer laut Anklageschrift und Urteil angelasteten Tathandlungen bestand – ungeachtet der jeweiligen Erwähnung der Unternehmensgründung sowie Vorsprache bei der Bank und Kontoeröffnung durch den Angeklagten (ON 104, 3 f, US 4 f) – das Erfordernis einer dem § 262 StPO entsprechenden Belehrung auch in Bezug auf die Änderung der Beurteilung der Beteiligungsform (vgl 11 Os 56/10k, 93/10a, 94/10y, 95/10w, 14 Os 151/10b, 15 Os 102/22x [Rz 4 ff]).
[11] Das aufgezeigte Informationsdefizit erfordert – in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur – die Aufhebung der Schuldsprüche und demgemäß auch des Strafausspruchs (einschließlich der Vorhaftanrechnung) sowie des Verfalls- und Adhäsionserkenntnisses bereits bei der nichtöffentlichen Beratung (§ 285e StPO). Ein Eingehen auf das weitere Beschwerdevorbringen erübrigt sich daher.
[12] Mit seiner Berufung war der Angeklagte auf diese Entscheidung zu verweisen.
Mit Blick auf den zweiten Rechtsgang ist auf Folgendes hinzuweisen:
[13] 1./ Zur Abgrenzung von Betrug und betrügerischem Datenverarbeitungsmissbrauch im elektronischen Lastschriftenverkehr siehe 12 Os 71/17h, 15 Os 104/19m sowie Flora in Leukauf/Steininger, StGB5 § 146 Rz 74a; zur Täuschung einer Person siehe hingegen 13 Os 12/22x [Rz 1 f]; Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB § 153 Rz 10 mwN.
[14] Der (auch bloß vorübergehend eingetretene vgl RIS‑Justiz RS0094383) Vermögensschaden bei § 148a StGB muss unmittelbare Folge der Beeinflussung des Ergebnisses der Datenverarbeitung sein (RIS‑Justiz RS0094395 [T5]; Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB § 148a Rz 4); nach den Sachverhaltsannahmen im ersten Rechtsgang daher bei dem spanischen/französischen Unternehmen eintreten (so US 1, 6 f; siehe dazu aber missverständlich Schädigung(‑svorsatz) in Bezug auf die österreichische Bank als mittelbar herbeigeführter Folgeschaden US 2, 4, 8).
[15] 2./ Das Erstgericht erklärte gemäß § 20 Abs 3 StGB einen Geldbetrag von 2.145.823,26 Euro für verfallen, traf jedoch keinerlei Feststellungen dazu, ob diese Vermögenswerte dem Angeklagten als tatsächlichem Empfänger zugekommen sind (vgl US 7; RIS‑Justiz RS0129964). Sind Vermögenswerte (wie hier) mehreren Personen zugekommen, so ist bei jedem Empfänger nur der dem jeweils tatsächlich rechtswidrig erlangten Vermögenswert entsprechende Betrag für verfallen zu erklären.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260120_OGH0002_0150OS00133_25K0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
Der Oberste Gerichtshof hat am 20. Jänner 2026 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Mag. Lendl als Vorsitzenden, die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. Michel‑Kwapinski und Dr. Sadoghi sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Mag. Riffel und Dr. Farkas in Gegenwart des Schriftführers Mag. Dirlinger in der Strafsache gegen * T* wegen des Verbrechens des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs nach §§ 12 zweiter Fall, 148a Abs 1, Abs 2 dritter Fall und Abs 3 StGB und einer weiteren strafbaren Handlung über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts Innsbruck als Schöffengericht vom 18. September 2025, GZ 27 Hv 68/25y‑126, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260120_OGH0002_0150OS00133_25K0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde wird das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Innsbruck verwiesen.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260120_OGH0002_0150OS00133_25K0000_000.
Quelle im RIS öffnenRIS-Text – Auszug
[1] Mit dem angefochtenen Urteil wurde * T* – abweichend von der auf das Verbrechen des gewerbsmäßigen schweren Betrugs nach §§ 146, 147 Abs 3, 148 zweiter Fall StGB gerichteten Anklage – je eines Verbrechens des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs nach §§ 12 zweiter Fall, 148a Abs 1, Abs 2 (richtig:) dritter Fall und Abs 3 StGB (1./) sowie der Geldwäscherei nach §§ 12 zweiter Fall, 165 Abs 1 Z 1 und Abs 4 (zu ergänzen: erster Fall) StGB (2./) schuldig erkannt.
Vollständige Absätze aus dem RIS-Dokument JJT_20260120_OGH0002_0150OS00133_25K0000_000.
Quelle im RIS öffnenZitiert von und Rechtsprechungslinie
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Wichtige Punkte
- Auch der Wechsel der Beteiligungsform erfordert eine Information in analoger Anwendung des § 262 StPO.
- Der Hinweis auf andere Straftatbestände genügte hier nicht für die Annahme von Bestimmungstäterschaft.
- Bei tatsächlich nicht überdeckenden Tathandlungen ist eine mögliche andere Verteidigungsstrategie offensichtlich.
- Der Schaden nach § 148a StGB muss unmittelbar aus der Beeinflussung der Datenverarbeitung folgen.
- Verfall setzt Feststellungen voraus, welche Vermögenswerte der jeweilige Empfänger tatsächlich erlangt hat.
Häufige Fragen
Warum hob der OGH in 15Os133/25k das Urteil auf?
Der Angeklagte war als unmittelbarer Täter angeklagt, aber als Bestimmungstäter verurteilt worden. Wegen erheblich abweichender Tathandlungen hätte er über diese Änderung informiert werden müssen. Der Hinweis auf andere Straftatbestände genügte dafür nicht.
Wann ist bei geänderter Beteiligungsform eine Information erforderlich?
Nach den Ausführungen des OGH ist bei jeder Änderung der Beteiligungsform eine Information in analoger Anwendung des § 262 StPO erforderlich. Im entschiedenen Fall führte das Informationsdefizit wegen der erheblichen tatsächlichen Abweichungen zur Aufhebung.
Wurde der Angeklagte freigesprochen?
Nein. Der OGH hob das Urteil auf und verwies die Sache zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Innsbruck.
Was stellte der OGH zum Schaden nach § 148a StGB klar?
Der Vermögensschaden muss unmittelbar aus der Beeinflussung des Ergebnisses der Datenverarbeitung folgen. Nach den bisherigen Sachverhaltsannahmen trat er bei den durch Lastschriften belasteten Unternehmen ein, nicht als unmittelbarer Schaden bei der Bank.
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