Volltext

BFG 20.08.2026, RV/3100491/2024

Fahrtkosten zum Studienort und Laptop als Werbungskosten

Bundesfinanzgericht (BFG) · Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis · ECLI:AT:BFG:2026:RV.3100491.2024 · Findok (BMF)

Normen
§ 16 Abs. 1 EStG 1988

Kopf

IM NAMEN DER REPUBLIK

Das Bundesfinanzgericht hat durch ***1******Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, über die Beschwerde vom ***2*** gegen den Bescheid des ***42*** vom ***3*** betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2023, Steuernummer ***BF1StNr1***, zu Recht erkannt:

Spruch

I. Der angefochtene Bescheid wird abgeändert.

Die Bemessungsgrundlagen und die Höhe der festgesetzten Abgabe bleiben gegenüber der Beschwerdevorentscheidung vom ***4*** unverändert.

II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.

Text

Entscheidungsgründe

I. Verfahrensgang

1. In der Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2023 beantragte der Beschwerdeführer Fortbildungs-, Ausbildungs- und Umschulungskosten als Werbungskosten zu berücksichtigen.

2. Nach einem Ergänzungsersuchen des Finanzamtes zu den Aus- und Fortbildungskosten gab der Beschwerdeführer im Antwortschreiben vom ***5*** unter anderem ein ***6*** in Höhe von ***7*** Euro bekannt.

3. Nach einer weiteren Ergänzung durch den Beschwerdeführer berücksichtigte das Finanzamt im Einkommensteuerbescheid vom ***3*** die durch das Studium entstandenen Fahrtkosten in Höhe von ***8*** Euro als Werbungskosten. In der Begründung des Bescheides schrieb es, laut den vorgelegten Unterlagen seien nur ***9*** Fahrten zu ***10*** Kilometern angefallen. Nach den im Veranlagungsakt vorhandenen Unterlagen anerkannte es zusätzlich zu den ***11*** Euro für die in der Bescheidbegründung angeführten ***9*** Fahrten zu ***10*** km Fahrtkosten in Höhe von ***12*** Euro für ***13*** Fahrten zu ***14*** km.

4. In der Beschwerde vom ***2*** und einer Mängelbehebung vom ***15*** beantragte der Beschwerdeführer alle ***16*** Fahrten als Werbungskosten zu berücksichtigen und allenfalls die Kilometeranzahl um die Strecke vom Arbeitsplatz in ***17*** zum Wohnort in ***18*** zu kürzen.

5. In der Beschwerdevorentscheidung vom ***4*** änderte das Finanzamt den Einkommensteuerbescheid ab und setzte vom Arbeitgeber nicht berücksichtigbare Werbungskosten in Höhe von ***19*** Euro an. Zu den Fahrtkosten führte es aus, die kürzeste Wegstrecke vom Wohnort zum Studienort betrage ***20*** km. In der Fahrtenzahl seien Hin- und Rückfahrt bereits in der Anzahl der Fahrten berücksichtigt und müssten nicht verdoppelt werden. Anhand der übermittelten Aufstellung seien ***21*** Fahrten zwischen ***18*** und ***24*** erkennbar, woraus sich durch eine Multiplikation mit ***20*** und 0,42 Euro ein Betrag in Höhe von ***22*** Euro errechne. Weiters seien ***23*** Fahrten zwischen "Arbeitsplatz Wohnort" und ***24*** angegeben. Eine Korrektur "hier vom Wohnort nach ***24***" würde sich rechnerisch wie folgt darstellen: ***23*** Fahrten x ***20*** km x 0,42 Euro = ***25*** Euro. Summiere man ***23*** und ***21*** Fahrten und berücksichtige Hin- und Rückfahrt entspreche dies ***26*** Aufenthalten an der Universität. Betrachte man dies auf das Jahr, entspreche das Aufenthalten zu Studienzwecken an 3 bis 4 Tagen in der Woche, was aus der Sicht des Finanzamtes als glaubhaft angesehen werde. Im Übrigen berücksichtigte das Finanzamt Kosten für Internet/Telefon in Höhe von ***27*** Euro, einen ÖH-Beitrag und Studiengebühren in Höhe von gesamt ***28*** Euro, Diäten in Höhe von ***29*** Euro, Kosten für den Laptop in Höhe von ***30*** Euro und Kosten für das Handy in Höhe von ***31*** Euro. In Summe ergaben sich sohin vom Arbeitsgeber nicht berücksichtigbare Werbungskosten in Höhe von ***19*** Euro und Werbungkosten für das Homeoffice-Pauschale in Höhe von ***32*** Euro.

Zur privaten Nutzung des Laptops schrieb das Finanzamt in der Begründung, aufgrund der Erfahrungen des täglichen Lebens sei davon auszugehen, dass die private Nutzung eines beruflich verwendeten oder im Haushalt des Steuerpflichtigen stationierten Computers mindestens 40% betrage. Eine niedrigere private Nutzung sei im Einzelfall konkret nachzuweisen bzw. glaubhaft zu machen. Nachdem keine weitere Glaubhaftmachung erfolgt sei, werde dieser Punkt abgewiesen.

6. Der Beschwerdeführer brachte am ***33*** beim Finanzamt den Antrag auf eine Entscheidung über die Beschwerde durch das Bundesfinanzgericht ein. Er beantragte die Berücksichtigung des Homeoffice-Pauschales für ***40*** Tage in Höhe von ***32*** Euro und von Handykosten in Höhe von ***31*** Euro als Werbungskosten. Zu den Fahrtkosten brachte er vor, in der Beschwerdevorentscheidung seien ***26*** Aufenthalte an der Universität für die Berechnung herangezogen worden, was im Vergleich zur ursprünglichen Anzahl von ***9*** zwar höher sei, jedoch sei der Betrag für die Werbungskosten in der Beschwerdevorentscheidung um ***34*** Euro niedriger als beim Einkommensteuerbescheid vom ***3***, was nicht nachvollziehbar sei. Er erwarte sich neben einer Begründung für die unterschiedlichen Berechnungen auch, dass seinen ursprünglich eingebrachten Anträgen und der Antragshöhe stattgegeben werde.

II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:

1. Sachverhalt

1. Der Beschwerdeführer war im Jahr 2023 an der Adresse ***35*** wohnhaft.

2. Er bezog Einkünfte aus einer nichtselbständigen Arbeit als ***36*** bei der ***41*** in ***17***.

3. Daneben absolvierte er ein Masterstudium (***37***) an der Universität in ***24***.

4. Für das Studium begab er sich im Jahr 2023 an ***26*** Tagen von seinem Wohnort in ***18*** oder dem Arbeitsplatz in ***17*** zur Universität in ***24***.

5. Die einfache Wegstrecke zwischen dem Wohnort in ***18*** und dem Studienort an der Universität in ***24*** betrug ***20*** Kilometer.

6. Der Wohnort des Beschwerdeführers in ***18*** liegt auf der Strecke zwischen dem Arbeitsort in ***17*** und dem Studienort in ***24***.

2. Beweiswürdigung

Die Anzahl der vom Wohnort oder dem Arbeitsplatz des Beschwerdeführers zu dem Studienort unternommenen Fahrten ergeben sich aus den folgenden Erwägungen:

In der vom Beschwerdeführer vorgelegten Aufstellung sind insgesamt ***16*** Fahrten zur Universität in ***24*** angeführt. Das Finanzamt ist in der Begründung zur Beschwerdevorentscheidung zu Recht davon ausgegangen, dass die Gesamtzahl der angeführten Fahrten der Anzahl an Hin- und Rückfahrten zum oder vom Studienort entspricht. Auch das Bundesfinanzgericht hält es für unglaubwürdig, dass der Beschwerdeführer an nahezu jedem Tag des Jahres zum Studienort gefahren ist. Im Übrigen sind in der Aufstellung des Beschwerdeführers häufig zwei Fahrten an die Universität für denselben Kalendertag dokumentiert. Dass sich der Beschwerdeführer an den betreffenden Tagen jeweils für eine (kurze) Mittagspause an seinen Wohnort oder Arbeitsplatz begeben hat, um dann wieder zum Studienort zu fahren, hält das Bundesfinanzgericht bei den gegebenen Entfernungen für nicht glaubwürdig. Der vom Finanzamt im Schreiben vom ***38*** dem Beschwerdeführer vorgehaltenen Annahme, dass er die Mittagspause in ***24*** verbracht habe, ist der Beschwerdeführer nicht entgegengetreten. Die sich aus der Anzahl an Hin- und Rückfahrten von ***16*** ergebende Anzahl von ***26*** Aufenthalten am Studienort erachtet das Bundesfinanzgericht bei einem berufsbegleitenden Studium und den gegebenen Entfernungen für plausibel und durch die vorgelegte Aufstellung als erwiesen.

3. Rechtliche Beurteilung

3.1. Zu Spruchpunkt I. (Abänderung)

Gemäß § 16 Abs. 1 Einkommensteuergesetz 1988 sind Werbungskosten die Aufwendungen oder Ausgaben zur Erwerbung, Sicherung oder Erhaltung der Einnahmen. Werbungskosten sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind.

1. Fahrtkosten

Die Fahrtkosten zum Studienort können als Werbungskosten abgezogen werden, soweit sie nicht die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte betreffen.

Unter Zugrundelegung der festgestellten Anzahl von ***16*** Fahrten, einer einfachen Wegstrecke zwischen dem Wohnort des Beschwerdeführers und dem Studienort von ***20*** Kilometern und einem Kilometergeld in Höhe von 0,42 Euro ergeben sich Fahrtkosten in Höhe von ***39*** Euro. Soweit der Beschwerdeführer die Fahrten zu seinem Studienort von seinem Arbeitsplatz aus angetreten hat, sind die dadurch entstandenen Fahrtkosten für die anteilige Strecke zwischen Arbeitsplatz und Wohnort bereits durch das Pendlerpauschale berücksichtigt.

Die Berechnung der Fahrtkosten durch das Finanzamt im Erstbescheid und der Beschwerdevorentscheidung ist dem Verfahrensgang unter Punkt I.3. und I.5. zu entnehmen.

2. Handykosten

Die beantragten und vom Finanzamt sowohl im Erstbescheid als auch in der Beschwerdevorentscheidung (siehe Punkt I.5.) als Werbungskosten anerkannten Handykosten in Höhe von ***31*** Euro werden auch vom Bundesfinanzgericht zuerkannt.

3. Homeoffice-Pauschale

Das beantragte und vom Finanzamt sowohl im Erstbescheid als auch in der Beschwerdevorentscheidung (siehe Punkt I.5.) als Werbungskosten anerkannte Homeoffice-Pauschale in Höhe von ***32*** Euro wird auch vom Bundesfinanzgericht zuerkannt.

4. Laptop

Bei einem Computer ist die berufliche Notwendigkeit (als Abgrenzung zur privaten Veranlassung) und das Ausmaß der beruflichen Nutzung durch den Steuerpflichtigen nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.

Die ausnahmslose Verwendung des Laptops für berufliche und universitäre Zwecke hat der Beschwerdeführer lediglich behauptet. Konkrete Ausführungen, weshalb keine oder eine geringere Privatnutzung als 40% vorliege, sind im gesamten Verfahren unterblieben. Auch den diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerdevorentscheidung ist der Beschwerdeführer nicht entgegengetreten.

Die Kosten für die Anschaffung des Laptops sind daher nur zu 60% als beruflich veranlasst zu berücksichtigen.

3.2. Zu Spruchpunkt II. (Revision)

Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist nicht zulässig, da die Entscheidung von einer Sachverhaltsfeststellung im Wege der Beweiswürdigung abhängte und sich keine Rechtsfrage stellte.

Innsbruck, am 20. August 2026