Kopf
BESCHLUSS
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin***Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, betreffend Beschwerden datiert mit 24.12.2013, eingelangt beim Magistrat am 2.1.2014, gegen die Bescheide des ***18***, ***17***, vom 30.11.2013, zu den Zln.
- MA 46-G/15/***1***/2013 zur Gebrauchserlaubnis vom 22.9.1961, Zl. M.Abt. 35-G/XV. ***2***, für Leuchtschilder paral nach Tarif B Post 21 mit EUR 68,40,
Spruch
- MA 46-G/15/***3***/2013 zur Gebrauchserlaubnis vom 12.1.1960, Zl. M.Abt. 35-G/XV. ***4***, für Leuchtschilder senkrecht nach Tarif B Post 21 mit EUR 36,48;
- MA 46-G/15/***5***/2013 zur Gebrauchserlaubnis vom 12.11.1965, Zl. M.Abt. 35-G/XV. ***6***, für Glühlampenreihen nach Tarif B Post 21 mit EUR 59,00; und
- MA 46-G/15/***7***/2013 zur Gebrauchserlaubnis vom 12.9.1961, Zl. M.Abt. 35-G/XV. ***8***, für Portale nach Tarif B Post 3 mit EUR 200,50; und Vordächer nach Tarif B Post 5 mit EUR 37,00;
mit welchen die Höhe von Gebrauchsabgaben in ***9***, mit Wirkung vom 1.3.2013 gemäß § 11 Gebrauchsabgabegesetz 1966 (GAG 1966), LGBl. für Wien 1966/20 i.d.g.F. festgesetzt wurden, beschlossen:
I) Die Beschwerden werden gemäß § 260 Abs. 1 lit. a BAO als nicht zulässig zurückgewiesen.
II) Gegen diesen Beschluss ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Text
Begründung
Nach Auflösung des unabhängigen Finanzsenates zum 1. Jänner 2014 (Art. 151 Abs. 51 Z 8 B-VG) ging die Zuständigkeit zur Weiterführung der mit Ablauf des 31. Dezember 2013 bei dieser Behörde anhängigen Verfahren auf das Bundesfinanzgericht über. Gemäß § 323 Abs. 38 BAO sind am 31. Dezember 2013 bei dem unabhängigen Finanzsenat anhängige Berufungen vom Bundesfinanzgericht als Beschwerden im Sinne des Art. 130 Abs. 1 B-VG zu erledigen. Im folgenden Text wird vom Bundesfinanzgericht (BFG) grundsätzlich die der neuen Rechtslage entsprechende Terminologie verwendet.
Der bisherige Verfahrensgang geht im Wesentlichen aus der Beschwerdevorentscheidung des Magistrats der Stadt Wien MA 46 vom 21.11.2014 hervor wie folgt:
Gemäß § 11 GAG 1966 zur Festsetzung der Jahresabgabe ist die Abgabe durch Abgabenbescheid festzusetzen. |
Auf dem Antrag auf Vorlage der Beschwerden zur Entscheidung an das Bundesfinanzgericht (Vorlageantrag) datiert mit 14.12.2014 schien ebenso wie auf der Beschwerdeschrift als Name des Einbringers lediglich "***13***" ohne Vornamen auf. Gezeichnet war die Eingabe von ***13*** mit "***14***", unterschrieben mit einer aus einem Wort bestehenden (unleserlichen) Unterschrift bzw Paraffe (wie zuvor bereits bei der als Beschwerde bezeichneten Eingabe). Aus den Beschwerden und dem Vorlageantrag geht hervor, dass diese von ***12*** eingebracht wurden, zumal der Einbringer der Beschwerden sowie des Vorlageantrages auf die 50järige Tätigkeit als ***21*** Bezug nimmt, wobei auch aus dem Gewerberegister (BM für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort) hervorgeht, dass Herr ***12***, geb. ***11***, überdies seit ***16*** das ***Handwerk*** - Handwerk an beschwerdegegenständlichem Standort als Unternehmer ausübt.
In den Beschwerden sowie im Antrag auf Vorlage der Beschwerden zur Entscheidung an das BFG (Vorlageantrag) wurden im Wesentlichen die betragsmäßigen Erhöhungen der beschwerdegegenständlichen Abgaben kritisiert und deren Herabsetzung bzw gänzliche Streichung beantragt.
Rechtsnormen
§ 93 Bundesabgabenordnung (BAO) 1962 idgF
(1) Für schriftliche Bescheide gelten außer den ihren Inhalt betreffenden besonderen Vorschriften die Bestimmungen der Abs. 2 bis 6, wenn nicht nach gesetzlicher Anordnung die öffentliche Bekanntmachung oder die Auflegung von Listen genügt.
(2) Jeder Bescheid ist ausdrücklich als solcher zu bezeichnen, er hat den Spruch zu enthalten und in diesem die Person (Personenvereinigung, Personengemeinschaft) zu nennen, an die er ergeht.
...
§ 260 BAO 1962 idgF
(1) Die Bescheidbeschwerde ist mit Beschwerdevorentscheidung (§ 262) oder mit Beschluss (§ 278) zurückzuweisen, wenn sie
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a) | | nicht zulässig ist | |||||||||
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Rechtliche Würdigung
Enthält eine Erledigung nicht den im angeführten § 93 BAO geforderten Bescheidadressaten, so führt dies zum Verlust der Bescheideigenschaft ("Nichtbescheid"). Fehlt dieser wesentliche Spruchbestandteil des Bescheidadressaten bzw ist er falsch, so liegt kein Bescheid vor. Daher ist für die Bescheidqualität auch die Nennung des korrekten Bescheidadressaten als Spruchbestandteil unverzichtbar (vgl VwGH 24.3.1993, 88/07/0072, ZfVB 1993/5/1481; 1.7.1993, 90/17/0385, AnwBl 1994, 133; vgl. Ritz/Koran, BAO, 7. Aufl. (2021), § 93, III. Folgen fehlender Erfordernisse [Rz 21, 24]).
Die beschwerdegegenständlichen im Spruch näher bezeichneten im Jahr 2013 ergangenen Bescheide sind an den bereits am ***22*** verstorbenen ***Bf1***, geb. ***10***, ergangen (Zentrales Melderegister [ZMR] - Abfrage vom 6.12.2021).
Da die beschwerdegegenständlichen Bescheide an einen Verstorbenen und somit an einen nicht mehr existenten Bescheidadressaten ergangen sind, sind sie ins Leere ergangen und liegen somit Nichtbescheide isd o.a. Rechtsnormen vor.
Mit Bescheidbeschwerde können nur Bescheide angefochten werden. (vgl. Ritz/Koran, BAO, 7. Aufl. (2021), § 243, II. Bescheide [Rz 6]).
Alle aktenkundigen bezughabenden Bescheide (zurückgehend bis Anfang der Sechzigerjahre) sind an "Herrn ***Bf1***" (***21***meister) persönlich ergangen.
Eine Beschwerde gegen eine Erledigung, in der ein falscher bzw nicht mehr lebender/nicht mehr existenter Bescheidadressat im Spruch angegeben wurde, ist mangels tauglichen Beschwerdegegenstandes zurückzuweisen. (VwGH 8.3.1991, 88/17/0209).
Da der in den angefochtenen Bescheiden als Adressat angeführte ***19*** geb. ***15*** zu den Zeitpunkten des jeweiligen Bescheiderlassens (Datum des [jeweiligen] Bescheiderlassens im Spruch angeführt) nicht mehr lebte, konnten diese als Bescheide intendierten Erledigungen keine Rechtswirkungen entfalten und verfügten sie über keine Bescheidqualität (Ritz, BAO6, § 260; BFG 5.11.2015, RV/5101252/2014; VwGH 31.5.1994, 91/14/0140; VwGH 19.6.2002, 99/15/0144; VwGH 19.4.2006, 2002/13/0193).
Die beschwerdegegenständlichen an den bereits verstorbenen ***19*** adressierten Erledigungen des Magistrats vom 30.11.2013 sind Nichtbescheide.
Die gegenständlichen als Beschwerden (vormals: Berufungen) bezeichneten Eingaben gegen die beschwerdegegenständlichen an den bereits verstorbenen ***19*** adressierten Nichtbescheide sind aus angeführten Gründen mangels rechtsgültiger den Beschwerden zugrundeliegender Bescheide ex lege als unzulässig zurückzuweisen (vgl. o.a. § 260 (1) lit a BAO 1962 idgF; VwGH 8.3.1991, 88/17/0209; Fischerlehner, Abgabenverfahren2 § 260; BFG vom 4.6.2020, RV/5101687/2017).
Ein Anbringen ist dem Einschreiter zuzurechnen (vgl. VwGH 30.1.2015, Ra 2014/17/0025). Die Zurückweisung der Beschwerden hat daher an den einschreitenden Beschwerdeführer zu erfolgen, da er für den verstorbenen ***Bf1*** eingeschritten ist, der bereits zu den Zeitpunkten des jeweiligen beschwerdegegenständlichen Bescheiderlassens längst nicht mehr lebte.
Angemerkt wird, dass die Beschwerden laut Aktenlage von ***12*** eingebracht wurden, was aus dem gesamten Akteninhalt eindeutig hervorgeht (s. unter anderen die Ausführungen in den Beschwerden sowie auch im Vorlageantrag (bspw auf Seite 2 der Beschwerden sowie auf Seite 3 des Vorlageantrages: "...für einen seit ***20*** Jahren tätigen ***21*** ...").
Aus einer diesbezüglichen Rücksprache seitens des BFG mit dem Magistrat geht hervor, dass der Magistrat jedenfalls bis einschließlich des Erlassens der Beschwerdevorentscheidung keine Kenntnis über das Ableben des Herrn ***Bf1*** geb. im Jahr ***15***, an den laut Aktenlage die streitgegenständlichen Bescheide unzweifelhaft adressiert waren, erlangt hatte.
Insgesamt ist daher spruchgemäß zu entscheiden.
Nichtzulässigkeit einer Revision
Gegen einen Beschluss des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Da die Entscheidung der hRspr iVm der geltenden Gesetzeslage folgt, ist eine Revision nicht zulässig.
Wien, am 19. Dezember 2021